Bürgerinformation 4. 12. 2013

Darstellung der Position des Ortsvereins

Meine Damen und Herren,

Die jetzt von der Verwaltungsseite erstmals vorgelegte realitätsnahe Simulation des Bohrertals nach Verwirklichung ihres Plans ist beeindruckend: Die schöne Herbstlandschaft, der ziemlich niedlich erscheinende Damm, vom Baugebiet aus gesehen:
Direkt bestechend!
                                                   Visualisation Höhe Baugebiet(GuT Freiburg)    

Allerdings hätte ruhig auch eine Darstellung der Verhältnisse dort am Fuß des Damms erfolgen können, wo die Landstraße dann eine Kurve nach links machen würde und mit ca. 10 % Steigung die Dammhöhe erklimmt. Wenn jemand, der schon länger nicht mehr in Freiburg war, dann mit dem Auto an diesem Punkt ankommt, dann wird er sich vorkommen wie der Ochs vorm Berg und wird sich fragen: Sind denn die Freiburger von allen guten Geistern verlassen?
                                                       Visualisation Höhe Forsthaus (GuT Freiburg)

Noch eine kleine Anmerkung: Die Darstellung des Waldsaums ist dem Graphiker doch allzu idyllisch geraten. In Wirklichkeit würde sich neben der Landstraße eine steile Böschung in die Höhe erstrecken, und die beiden schönen Bäume am Horizont werden auf gar keinen Fall die Verlegung der Landstraße überleben!

                                                          Bohrertal (vom gleichen Standort aus)

Immerhin: Jetzt gibt es plötzlich zwei Simulationen der Verhältnisse nach dem Dammbau: die des Ortsvereins vom 23. 11. und nun auch die nagelneue vom GuT. Vor drei Jahren, als laut BZ Frau Landrätin, unser O.B. und der Bürgermeister von Horben zum Beschluss kamen, dass nur diese Variante 3a unter den insgesamt 5 Varianten verwirklicht werden soll, gab es so etwas noch nicht. Wir fragen uns nur: Wie konnte ohne ein solches Hilfsmittel überhaupt über diese Frage entschieden werden? Aber noch wichtiger erscheint uns die Frage: Wie kann überhaupt ein solches Gremium ohne Einbindung der demokratischen Organe eine so weitreichende Festlegung treffen? Wo ist denn da die in Freiburg so gepriesene Bürgerbeteiligung geblieben? Warum eigentlich sollte nicht auch der Landkreis seinen Teil zur Hochwasservorsorge beitragen?

Die wesentliche Stütze der damaligen Überlegungen war offensichtlich das Umweltverträglichkeitsgutachten des Büros Scheuber (das aber gleichfalls keine realistische Darstellung des Dammes  bzw. der Dämme enthält). Gegen dieses Gutachten ist auf den ersten Blick nichts einzuwenden, es werden da die verschiedenen Dammvarianten unter den verschiedensten Gesichtpunkten bewertet, natürlich werden da auch  Sumpfgrashüpfer und das breitblättrige Knabenkraut berücksichtigt, wie es sich gehört. Für das lokale Klima haben sämtliche Dammvarianten laut Gutachten keine Bedeutung. Warum nur betont das zuständige Ministerium die Bedeutung der Kaltluftströme und deren Behinderung durch Bauwerke wie z.B. Dämme?
Und können Messungen eines einzelnen Apriltages bzw. Simulationen wirkliche Messreihen ersetzen? Übrigens: der Standort direkt oberhalb Günterstals ist in dem angeführten Klimagutachten überhaupt nicht berücksichtigt.
Durchaus zutreffend und sensibel schildert Herr Scheuber den landschaftlichen Wert der betroffenen Gebiete (unt. Bohrertal)  bzw. die landschaftlichen Folgen der Baumaßnahmen:
Das im Oberlauf des Bohrerbaches entstehende Becken mit einer bis zu 14,7 m (3a bei HQ100) hohen Dammkrone käme einer Talsperre gleich. Beinahe das gesamte Tal querend, entstünde ein technisches Bauwerk, das der Landschaft ein völlig neues Gesicht geben würde. Gewohnte Bilder wie der Blick zum gehölzbegleitenden Bach, der Weitblick in die Schauinslandregion, das bislang
schwarzwaldtypische Trogtal wandelten sich in ein von Bauten bestimmtes und überformtes Gelände. .. Die Eingriffe sind deshalb als erheblich und nachhaltig beeinträchtigend einzuschätzen.

Das kann jeder von uns nur unterstreichen. Allerdings empfiehlt das Gutachten dann letzten Endes dann doch gerade dejenige Version, nämlich 3a, die gegenüber den beiden anderen (b und d) einen weit massiveren Eingriff in die Landschaft darstellt. In seinem Resumee kommt der Gutachter zur Meinung, das Bohrertal unterhalb der Bohrermühle sei „weniger empfindlich bei der Beurteilung des Landschaftsbildes” , verglichen mit dem Abschnitt oberhalb der Bohrermühle. Diese seine Endbewertung steht in krassem Gegensatz zu seiner vorigen Äußerung und nimmt in Kauf, dass der für eine Großstadt einmalige Ausblick in die Schwarzwaldlandschaft unmittelbar vor derStadtgrenze radikal zerstört wird. Nach dem Urteil des Gutachters würden alle Landschaftseingriffe einschließlich der Verlegung der Landstraße in den steilen Hang hinein mit Abholzung der dortigen Waldpartie zu einer allenfalls „mittelgradigen Beeinträchtigung im Schutzgut Landschaftsbild/Erholung” führen, währenddessen die mäßige Erhöhung des schon bestehenden Staudamms entlang der Wonnhaldestraße zu „sehr  hoch ausgeprägter Beeinträchtigung” führen soll. Und bei den Varianten 3b und d würde eine immer noch „hoch ausgeprägte Beeinträchtigung” resultieren, obwohl dort keine oder allenfalls eine geringe Änderung des Straßenverlaufs erforderlich wäre.

Was in diesem Gutachten überhaupt nicht in Betracht gezogen wird: Dass man nämlich durch die Kombination verschiedener Becken zu wesentlich geringeren Eingriffen in die Landschaft kommen könnte. Damit wäre man wieder bei der zeitweise diskutierten Terrassen- oder Kaskadenlösung, die zwar  größere Flächen in Anspruch nehmen würde, jedoch mit weit geringerer Eingriffsschwere, also verminderter Dammhöhe und Verzicht auf Ausschachtung des Beckengrunds.   
Das Gutachten scheint völlig zu übersehen, dass das bereits vorhandene Becken Brreitmatte zusammen mit einem der Becken oberhalb Günterstal zu einer Stufenlösung führt, und es wäre ja ein Schildbürgerstreich, wenn man dieses längst vorhandene Becken jetzt nicht an die jetzt höheren Anforderungen anpassen würde! Immerhin hat das Gutachten bereits empfohlen, über eine Zweiteilung des Beckens nachzudenken! Und in der Gemeinderatsvorlage vom 22.11. wird ebenso wie im Gutachten Scheuber als Variante des Beckens 3a eine  kaskadenartige Aufteilung erwogen. Warum denn dann nicht  über eine ähnliche Anordnung aller drei Becken nachdenken, mit entsprechender Ver-minderung der Größenverhältnisse und damit des Umfangs der baulichen Maßnahmen?

Aber der Ortsverein sieht noch eine weitere Variante: Hat man denn in Horben noch nie bedacht, dass dem Ortsteil Bohrer auch einmal ein Jahrhunderthochwasser drohen könnte? Was liegt näher, als oberhalb der  Talstation eine zusätzliches Becken zu planen, das eventuell eines der Becken 3 b oder d erübrigen würde? Sie sehen, der Ortsverein beschränkt sich nicht auf das Kritisieren ! Der Ortsverein stemmt sich nicht gegen einen verbesserten Hochwasserschutz, er wendet sich aber entschieden gegen die nicht ausreichend begründete Festlegung auf einen unverhältnismäßig dimensionierten Dammbau unmittelbar oberhalb Günterstal. Die massive Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im unteren Bohrertal durch den geplanten Damm wird in dem zugrundeliegenden Gutachten nicht ausreichend berücksichtigt. Die gutachterliche Beurteilung sollte deshalb in diesem Punkt  überprüft und korrigiert werden. In einer Wiederaufnahme früherer Konzepte (Kaskadenlösung) und in einer Kombination entsprechend größenreduzierter Becken sehen wir Möglichkeiten, die Monströsität  des vorgesehenen Damms zu vermeiden. Eine mäßige Erhöhung des Damms an der Breitmatte würde dazu beitragen, die Dimensionen der anderen Dämme in einem landschaftsverträglichen Rahmen zu halten.
Der Ortsverein Günterstal sieht sich mit seiner Initiative nicht nur als Interessenvertreter  der Günterstäler, sondern auch aller Freiburger und Freunde Freiburgs, denen das bis jetzt noch unversehrte  Landschaftsbild hier am Übergang von der Stadt zum Schwarzwald am Herzen liegt.

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