Stellungnahme des Ortsvereins Günterstal zu den geplanten Änderungen des Landschaftsschutzgebietes Brombergkopf, Lorettoberg, Schlierberg
v. 16.11.2016

  1. Im Rahmen der Einrichtung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen werden innerhalb des Landschaftsschutzgebiets sogenannte „Zonierungen“ vorgenommen. Mit Besorgnis nimmt der OV Günterstal zur Kenntnis, dass auf dem Gebiet des Kybfelsens wie auch des Illenbergs eine Änderung des Landschaftsbildes in Kauf genommen wird, die dem Zweck eines Landschaftsschutzgebiets widersprechen. Dieser bedeutet laut § 26 Abs. 1 BNatSchG den „besonderen Schutz einer Landschaft“, unter anderem wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft. Die vorgesehene Errichtung mehrer Windkraftanlagen stellt eine so erhebliche Beeinträchtigung innerhalb dieser „Zonierungen“ dar, dass von einer Bewahrung der Landschaftsschönheit nicht mehr gesprochen werden kann. Dies kommt in dem Gutachten von „Faktor Grün“ durchaus zur Geltung mit dem Ergebnis, dass die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds im Bereich Kybfelsen (20.2) und Illenberg (18,19) als „sehr hoch“ bezeichnet wird.

  2. Bei der Beurteilung des Landschaftsbilds werden allerdings Betrachterstandpunkte zu Grunde gelegt, die der Situation Günterstals in unmittelbarer Nachbarschaft beider Konzentrationszonen nicht gerecht werden. Die Distanz zwischen Günterstal und den beiden Standorten ist weitaus geringer als diejenige zwischen den von „Faktor Grün“ gewählten Betrachterstandorten und den WKA auf Kybfelsen und Illenberg. Gleichzeitig wäre die ästhetische Wirkung der beabsichtigten WKA für Betrachter in Günterstal insofern wesentlich drastischer, als die Anlagen steil oberhalb des Betrachterstandorts stehen würden, hierdurch würde für Betrachter in Günterstal der Eindruck einer bedrohlichen Dominanz geschaffen. Zu diesem Eindruck trägt die Addition von zwei WKA-Standorten nicht unwesentlich bei. Infolge der Position der WKA ist in Günterstal zunächst morgens, dann nachmittags zwei bzw. dreifacher Schattenschlag zu erwarten (im Umweltbericht von Faktor Grün ist diese Tatsache nicht erwähnt!).
    Anmerkung: An der Offenlage der Planungsdokumente ist als nicht nachvollziehbar zu bemängeln, dass der Download der Unterlagen der Umweltbericht von „Faktor Grün“ die verschiedenen Anlagen (z.B. „Lärmschutz“ und „Landschaftsbildanalyse“) nicht enthält bzw. den Interessierten vorenthalten wurde. Erstmals waren diese Anlagen bei der Veranstaltung am 14.11. in Ebnet einsehbar!

  3. Die Beurteilung des Artenschutzes im Bereich des Kybfelsens nennt eine „mittlere“ Konfliktintensität hinsichtlich der Avifauna, hingegen eine „hohe“ Konfliktintensität im Bereich des Bromberg- und Rehhagkopfs, ebenso im Bereich der Fläche 20.3 (Eichkopf, Horber Felsen). Es erscheint unglaubhaft, dass zwischen den beiden hohen Konfliktzonen ausgerechnet der Kybfelsen mit seinem Totholzbereich und seiner Felsszenerie lediglich eine „mittlere“ Konfliktintensität aufweisen soll; eine differenzierte Analyse der Avifauna in diesem Bereich ist dem Umweltbericht nicht zu entnehmen. In Übereinstimmung mit dem Regierungspräsidium Freiburg, das auf die Erfordernis „weiterer vertiefter Untersuchungen“ hinweist, fordern wir eine zusätzliche artenschutzfachliche Überprüfung des Bereichs Kybfelsen.

  4. Die Begutachtung der Kulturgüter ist eindeutig fehlerhaft:
    Zwar wird für den Kybfelsen von einer „Schanze“ gesprochen, hingegen wird die alte Burganlage auf dem eigentlichen Kybfelsen überhaupt nicht erwähnt. Wie sich bei der Bürgerinformation in Ebnet am 14.11. im Gespräch mit den Vertretern von „Faktor Grün“ herausgestellt hat, haben die Gutachter lediglich auf der Basis der Kulturgüter aufweisenden Landkarte geurteilt, die keine Detailinformationen vermitteln kann. Den Gutachtern ist allerdings die Situation Kybfelsen nicht aus eigener Erfahrung bekannt. Die Aussage der Begründung in der Anlage 3 zur Drucksache G-16/204, „es sind keine Kultur- oder Sachgüter betroffen“ ist als inkorrekt zurückzuweisen, das Kulturgut „Ruine der Kyburg“ und die umgebende Felsszenerie sind unbedingt in die Beurteilung des Standorts Kybfelsen aufzunehmen.

  5. Eine Übersicht über die WKA in Baden-Württemberg zeigt, dass diese zumeist nicht im Südwesten von Siedlungsgebieten liegen, dies ist jedoch beim WKA-Standort Illenberg der Fall. Dementsprechend ist von einer Verstärkung der Lärmemissionen (einschließlich Infraschall) durch die ganz überwiegende Windrichtung Südwest auszugehen, auch muss eine Echowirkung durch die gegenüberliegende Talseite angenommen werden, die sich wiederum zu den Lärmemissionen durch die WKA auf dem Kybfelsen addieren würde. Durch die sich überlagernden Schallemissionen dürften zusätzliche Interferenzphänomene auch im Infraschallbereich auftreten. Die Einschätzung, Beeinträchtigungen durch Lärm seien „als unerheblich“ einzustufen, ist zurückzuweisen, weil sie nicht die für Günterstal spezifischen Faktoren Windrichtung, Echo und Summation berücksichtigt. Diese Einschätzung ist umso weniger überzeugend, als im Umweltbericht „erhebliche Beeinträchtigungen“ bei den Eignungsflächen 20.2 und 18 genannt werden.


  • gez. Nostadt
  • gez. Hockenjos
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