Positionspapier des Ortsvereins Günterstal zum geplanten Hochwasserschutzbecken Bohrertal

Nachdem 2010 erstmals das Projekt eines Hochwasserrückhaltebeckens im Bohrertal publik wurde und man seither von einer Kaskadenlösung ausging, sind die Günterstäler Bürger im Dezember 2013 im Rahmen einer vom Ortsverein veranlassten Veranstaltung unter Teilnahme des Garten- und Tiefbauamts - Herrn Ückermann und Herrn Lindinger, und Herrn Wald von der Firma Wald & Corbe über die Details des  geplanten Beckens informiert worden.
Der Ortsverein Günterstal und die Günterstaler Bürger nehmen zu der bereits vorangeschrittenen Planung wie auch zu dem zugrundeliegenden Umweltverträglichkeitsgutachten der Firma Scheuber folgendermaßen Stellung:


  1. Die Entscheidung, unter den verschiedenen Versionen eines Hochwasserrückhaltebeckens im Bohrertal die Version 3a mit einem Damm unmittelbar südlich des Orts zu favorisieren, kann nicht nachvollzogen werden. Im Umweltverträglichkeitsgutachten des Büros Scheuber (Freiburg) von 2010 ist für diese Version als entscheidend dargestellt, dass die Umwelterheblichkeit Landschaftsbild/Erholung für diese Version geringer zu veranschlagen sei als für die Versionen 3b und d einerseits (oberhalb der Bohrermühle), der Version 2a (Breitmatte) andererseits. Bei dieser Wertung ist nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass die geplante Dammhöhe zu einer Blockierung der Sichtlinie Stadtausgang - Bohrertal führen wird (die Simulation durch das GuT stellt diese Tatsache keineswegs ausreichend dar), auch wird nicht berüclsichtigt, dass die erheblichen Eingriffe die landschaftlich besonders bedeutsame Stadtgrenze betreffen würden. Weiterhin ist zu bezweifeln, ob in der Kostenschätzung die Verlegung der Landstraße hinreichend berücksichtigt wurde. Bei den anderen Versionen würde eine Verlegung der Landstraße in den steilen Waldhang hinein dagegen nicht oder nur in geringem Maß erforderlich werden. Die Simulation der GuT lässt den aus der Straßenverlegung resultierenden erheblichen Waldeinschlag bei Version 3a nicht im wirklichen Ausmaß erkennen, bekanntlich bedingt die Verkehrssicherungspflicht derzeit einen breiten baumfreien Gürtel entlang von öffentlichen Straßen.
  2. Klimatische Auswirkungen des Dammbauwerks werden in dem Gutachten nicht ange-nommen; allerdings hat sich das zugrundeliegende klimatologische Gutachten lediglich mit den Versionen 3b und d befasst. Die Erheblichkeit „0” für das Klima ist anzuzweifeln, es wird auf die entsprechenden Richtlinien des Innenministeriums verwiesen.
  3. In dem Gutachten wird ein mögliches Sicherheitsrisiko des unmittelbar oberhalb Günterstal geplanten Beckens außer Acht gelassen. Ein Dammbruch bzw. Versagen des Tormechanismus hätte katastrophale Folgen für Günterstal, weniger zwangsläufig hingegen für die weiteren Stadtteile.
  4. Das Gutachten berücksichtigt nicht, dass die geplante Ausschachtung bis in den Grundwasserhorizont reichen würde.
  5. Das Gutachten lässt die Möglichkeit außer acht, mehrere deutlich kleiner dimensionierte Becken einschließlich des bereits bestehenden und lediglich zu vergrößernden Beckens in der Breitmatte zu kombinieren und hierdurch eine verminderte landschaftliche Beeinträchtigung zu erreichen sowie das Sicherheitsrisiko zu vermindern.
  6. Ein möglicher Beckenstandort oberhalb der Talstation ist unverständlicherweise bisher vollkommen unberücksichtigt geblieben. Diese Lokalisation würde ein Becken gleichen Fassungsvolumens wie Version 3a ermöglichen und dem Hochwasserschutz des Ortsteils Bohrer dienen. Eine Beeinträchtigung des Landschaftbilds würde an dieser Stelle nicht erfolgen: Sowohl von der Landstraße wie auch von der Talstation aus wäre der Damm auch bei einer ähnlichen Höhe wie in Version 3a nicht sichtbar, eine empfindliche Sichtachse würde nicht blockiert. Eine Verlegung der Landstraße mit ausgedehntem Holzeinschlag und entsprechender zusätzlicher landschaftlicher Störung ist an dieser Stelle nicht erforderlich. Wie sich bei der Bürgerinformation am 4.12. herausgestellt hat, besteht in Horben durchaus kein bürgerschaftlicher Konsens darüber, Hochwasserbecken innerhalb der Ortsgemarkung abzulehnen.


Aus den Kritikpunkten ergeben sich folgende Forderungen an die Stadtverwaltung:
  1. Die bereits weit vorangeschrittene Planung für eine Hochwasserschutzbecken unmittelbar oberhalb Günterstal ist zu überprüfen. Es wird vorgeschlagen, eine externe Bewertung der landschaftlichen Auswirkungen durch einen zusätzlichen Gutachter, z.B. Prof. Küster/Hannover durchführen zu lassen.
  2. Als Alternativen zu der Variante 3a stellen sich dar:
    a) ein bisher noch nicht erwogenes Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Talstation, das auch dem Schutz des Horbener Ortsteils Bohrer dienen würde und/oder
    b) eine Kombination (Kaskadenlösung) kleinerer Becken (3b, d), eventuell ergänzt durch eine mäßige Kapazitätserhöhung des Beckens Breitmatte.
  3. Ein Kostenvergleich der verschiedenen Varianten ist zu fordern, insbesondere unter Berücksichtigung der Kosten für die bei Version 3a unumgängliche Straßenverlegung.

Der Ortsverein Günterstal betont, dass es ihm nicht um eine generelle Ablehnung von Hochwasserschutzmaßnahmen geht; allerdings wendet er sich das gegenwärtig favorisierte Projekt eines übergroßen Damms unmittelbar oberhalb Günterstal mit unvermeidlich zerstörerischer Wirkung auf das Landschaftsbild.

Freiburg, 27. 03. 2014
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