Tagesfahrt des Ortsvereins Günterstal e.V. nach Maulbronn und Bretten am 08.07.2017

Beim Start der Fahrt nach Maulbronn und Bretten versprach es wieder ein wundervoller Tag zu werden.  Lauter strahlende Günterstäler und Günterstälerinnen sowie Gäste waren schon gespannt auf das, was uns erwarten würde.Auch konnten wir wieder mit unserem gewohnten Bus fahren. Allerdings hatte der Besitzer gewechselt. Wir mussten deshalb auf die köstlichen Backwaren der Familie Laufer verzichten.  Oh ! Unser Chauffeur  (neuer Besitzer) versprach uns, bis zur nächsten Fahrt „Backen“ zu lernen. Toll ! Allerdings war für das leibliche Wohl gesorgt.  An der Autobahnkirche St. Christophorus Baden-Baden legten wir ein spätes Frühstück ein. Man glaubt es kaum, bei Sonnenschein!  Interessierte besichtigten die im modernen Stil erbaute Kirche, die für die Reisenden ein Ort des Gebets der Ruhe und der Besinnung sein soll.

Herr Kalchthaler, Kunsthistoriker, beeindruckte uns wieder mit seinem immensen Wissen, das nur so aus ihm heraussprudelte. Man fragte mich, ob ich mir  dies alles merken könne, weil ich darüber berichten sollte. Die Frage war berechtigt ! Deshalb ein Mini-Rundumblick !

Sehr lebendig  erzählte er schon während der Fahrt über die Entwicklungen in der Markgrafschaft Baden, die gegen 1535 in die Markgrafschaft Baden-Durlach und die Markgrafschaft Baden-Baden aufgeteilt wurde. Sie lebte mit deren Wiedervereinigung 1771 wieder auf, bis sie 1803 im Kurfürstentum und 1806 im Großherzogtum Baden aufging. Das regierende Haus Baden war mit den Zähringern stammverwandt.  Hier wieder unser Bezug zu den Zähringern.

Über das Leben und Wirken der jeweiligen Regenten sowie zur Markgrafschaft Baden –Baden (Bernhardische Linie) und zur Markgrafschaft Baden-Durlach (Ernestische Linie) wurde berichtet. Der letzte Großherzog von Baden war Friedrich II. , der am 09.08.1928 in Badenweiler verstarb. Er war verheiratet mit Prinzessin Hilda von Nassau. Da diese Ehe kinderlos blieb, adoptierte das Paar am 08. 10.1927 Berthold, den Sohn von Max von Baden, da sonst das Hausvermögen nach dessen Tod an die Republik Baden gefallen wäre.  Friedrich II diente als Soldat unter anderem  in der später nach ihm benannten Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne in Freiburg i.Br.

Ohne Stau oder sonstigen Behinderungen gelangten wir zur Klosteranlage Maulbronn. Sehr überrascht waren wir über das riesige Areal um das Kloster, das mit historischen Fachwerkhäusern umgeben ist.
Das Kloster Maulbronn ist eine ehemalige Zisterzienserabtei , die als am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen gilt. Betreten durften BesucherInnen die Anlage über eine hochmoderne Schleuse, die manche Eintretenden vor neue Herausforderungen bezüglich des Kartenautomaten stellte. Der hatte seine Meinung und wollte die Karte für sich behalten!

Das Kloster ist seit Dezember 1993 Weltkulturerbe der UNESCO. Es ist mit einer Mauer umgeben. Innerhalb der Abgrenzungen befinden sich heute mehrere Restaurants, die Polizei, das Rathaus und andere Verwaltungsämter. In den Klostergebäuden ist ein evangelisches Gymnasium mit Internat untergebracht.

Das Kloster, das seit 1138 in verschiedenen Bauschritten erbaut wurde, wechselte in den Jahrhunderten mehrfach die Regenten und somit auch seine Bestimmung, bis es 1556 durch den Herzog Christoph von Württemberg als eine evangelische Klosterschule genutzt wurde. 1928 geht das evangelisch-theologische Seminar Maulbronn in den Besitz der Evangelischen Seminarstiftung über. Durch die nationalsozialistische Regierung wurde das Kloster 1941 beschlagnahmt und die Seminarschule geschlossen und nach Ende des 2. Weltkrieges 1945 wieder eröffnet. 
Bemerkenswert ist die Architektur der gesamten Anlage, angefangen vom Klosterhof, dem Renaissance-Rathaus, der Klosterküferei, der ehemaligen Klosterverwaltung (Fachwerkhaus) und natürlich dem Kloster selbst. Das Kloster ist in hierachische Bereiche aufgegliedert. Wir besichtigten die dreischiffige Basilika, die in den Jahren 1147 bis 1178 zunächst in romanischem Stil erbaut wurde. Eine Besonderheit ist das Kruzifix, das den Heiland aus einem einzigen Steinblock heraus gemeißelt zeigt. Die Dornenkrone Christi soll an den längsten Tagen im Jahr nach 10.00 Uhr durch Sonnenstrahlen aufleuchten. Vom hochgotischen Kreuzgang aus konnten alle Bereiche (Herrenrefektorium, Kapitelsaal, Parlatorium) erreicht werden. Das Kloster verfügt über eine Brunnenkapelle aus dem 14. Jahrhundert. Der Waschraum ist von der Ordensregel vorgeschrieben. Es gab ein Calefactorium zu bewundern, über das die Wärme in die darüber liegenden Stockwerke gelangte. Darüber hinaus gab es keine weiteren beheizten Räume, was uns zu der Erkenntnis gelangen ließ, dass wir für das damalige Klosterleben ungeeignet wären. 
Überwältigt waren wir von der Baukunst des Meisters des Maulbronner „Paradieses”, der Vorkirche mit dem für den spätromanisch-frühgotischen Übergangsstil bezeichnenden sechsteiligen Kreuzrippen­gewölbe.

Bemerkenswert sind auch die Portale, die das Paradies mit dem Kirchenschiff verbinden.

Einer Sage nach sei der Standort durch ein mit den Klosterschätzen beladenes Maultier bestimmt worden. Es blieb an der Stelle des heutigen Brunnens stehen, an der sogleich eine Wasserfontäne emporschoss. Dies gab dem Kloster den Namen Maulbronn.

Im Restaurant „Klosterkeller“ genossen wir nach den zuvor erlangten geschichtlichen Hintergründen natürlich Maulbronner Maultaschen, die herrlich mundeten.

Anschließend führte unser Ausflug nach Bretten. Dort angekommen, tröpfelte es verdächtig. Trotzdem setzten wir unsere Erkundungen fort und besuchten zunächst das Museumshaus „Melanchthon“. Philipp Melanchthon, geb. 16.02.1497, war Humanist, Reformator, Universalgelehrter und engster Mitarbeiter und Freund Martin Luthers. Er war offizieller Wortführer der Wittenberger Theologie, da Luther als Geächteter an Verhandlungen auf Reichsebene nicht teilnehmen konnte.

Über seinen intensiven Briefwechsel mit namhaften Persönlichkeiten (über 11.000 Briefe) und durch seinen großen Schülerkreis wurde er zu einem Lehrer Europas (Praeceptor Europae). Die Gedächtnishalle an Melanchthon erinnert mit seinen gotischen Formen und einem Altar an eine Gottesdienststätte.
Im Obergeschoss findet man das Städtezimmer mit 121 holzgeschnitzten Wappen an der Decke, die die Verbindungen Melanchthon widerspiegeln. Das Theologenzimmer, die Fürstenzimmer mit herrlichen Wappenscheiben der Fenster begeisterten uns ebenso wie das Humanistenzimmer. Zum Leben und Wirken der beiden großen Persönlichkeiten der Reformation Luther und Melanchthon berichtete Herr Kalchthaler ebenso kompetent wie zuvor beim Kloster Maulbronn.

Einige der Teilnehmer und Teilnehmerinnen nutzten die anschließende Pause für einen Rundgang durch das idyllische Örtchen Bretten und für eine kühle Erfrischung. Anschließend Rückfahrt nach Günterstal. Der Tag war wie wir ihn erwartet hatten, hervorragend. Dazu haben Herr Kalchthaler, Herr Lindinger (Busfahrer) und Herr Stalter beigetragen, denen wir auf diesem Wege nochmals herzlich danken. 
Angelika Müller, Ortsverein Günterstal e.V.
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