Auf den Spuren der Badischen Revolution
Tagesfahrt des Ortsvereins Günterstal e.V. nach Raststatt

Auf den Spuren der Badischen Revolution
Am Samstag, 21.07.2018 war es wieder soweit. Der Ortsverein Günterstal wandelte auf den Spuren der Badischen Revolution, die sich zum 170. Mal jährte. Begleitet wurde die Fahrt von Andreas Meckel, einigen bekannt als Mitbegründer der Initiative zur Erinnerung an die Badische Revolution in Freiburg.

Nach dem traditionellen Frühstück an der Wegstrecke, an dem zur Freude der Teilnehmenden unser Busfahrer, Herr Lindinger sein Vorjahresversprechen einlöste und uns mit seinen gebackenen Köstlichkeiten verwöhnte, erreichten wir unser Ziel Raststatt. Bis wir jedoch dort ankamen, hatten wir zur Geschichte und zum Geschehen der Revolution Wissenswertes durch Herrn Meckel erfahren.
 
Hier eine Kurzfassung:

Die Badische Revolution 1848/49


Als einschneidendes Ereignis ist die Badische Revolution der Jahre 1848/49 auch nach 170 Jahren noch tief im Bewußtsein und Gedächtnis der Bevölkerung Badens verankert. Es waren mehrere Gründe, die zum Ausbruch des bewaffneten Freiheitskampfes führten: Im Februar 1848 waren im benachbarten Frankreich beispielgebend König Louis Philippe I. gestürzt und die Republik ausgerufen worden.
Die Bevölkerung Badens lebte in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Das Land war von der überall einsetzenden Industrialisierung bis dahin nur gestreift worden und von mehreren Mißernten betroffen. Und schließlich formierte sich in fast allen Bevölkerungsschichten eine wachsende Opposition gegen die strenge autokratische  Herrschaft des in Karlsruhe residierenden badischen Großherzogs Leopold.

Er hatte die Forderungen zurückgewiesen, die in mehreren Volksversammlungen beschlossen worden waren. Die wichtigste war die nach der Umsetzung der seit 1818 bestehenden relativ liberalen Verfassung. Gefordert wurden u. a. aber auch eine gerechtere Besteuerung, sowie eine Reform von Justiz, Armee und Bildungswesen und Freiheit für die Presse.

Der end- und ergebnislosen Debatten im Frankfurter „Vorparlament“ müde rief der charismatische Friedrich Hecker schließlich zum bewaffneten Kampf, unterstützt  von seinem Freund Gustav Struve und zahlreichen Gesinnungsfreunden.

Der nun beginnende Freiheitskampf läßt sich in drei Abschnitte gliedern.

Im April 1848 marschiert Friedrich Hecker von Konstanz mit zunächst 53 Mitstreitern los, denen sich während des Marschs mehrere hundert weitere anschließen. Ziel ist es, den Großherzog und seine Regierung in Karlsruhe zu stürzen.
Der Zug wird von badischen Truppen auf der Scheideck bei Kandern geschlagen und löst sich auf. Unter der Führung des militärischen Kopfs der Revolution, des ehemaligen Leutnants Franz Sigel, erreichen zwischen drei- und viertausend Freiheitskämpfer Horben und Günterstal. Hier erleidet die Vorhut unter der Führung von Gustav Struve eine Niederlage, worauf sich der Zug wieder über den Schauinsland zurückzieht und sich auflöst. Etwa 500 Kämpfer versuchen noch vergeblich zu den Revolutionären in Freiburg vorzustoßen. Sie werden von Bundestruppen daran gehindert, die anschließend die Stadt besetzen. Damit ist der erste Versuch, in Baden die Republik zu gründen, vor den Toren von Freiburg gescheitert. Friedrich Hecker verläßt Deutschland mit den Vereinigten Staaten als Ziel, viele geflüchtete Freiheitskämpfer werden – wie auch später - von der Schweiz aufgenommen.

Einen zweiten Versuch wagt Gustav Struve, der im September 1848 zunächst in Lörrach die Republik ausruft und mit etwa 2000 Kämpfern nach Norden marschiert.
Bereits nach vier Tagen wird der Zug allerdings in Staufen von den Soldaten des Großherzogs gestellt und versprengt. Gustav Struve wird vom Schwurgericht in Freiburg zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und in Bruchsal inhaftiert.

Im Mai 1849 kommt es schließlich zu der aussichtsreichsten Erhebung in Baden, weil die Soldaten des Großherzogs meutern und von nun an den Kern der revolutionären badischen Volksarmee bilden. Gustav Struve wird befreit und beteiligt sich ebenso wie Franz Sigel und andere Freiheitskämpfer aus den vorherigen Erhebungen an dem neuen Kampf um die Republik. Er wird gegen die von dem geflohenen Großherzog ins Land gerufenen preußischen Truppen geführt. Gegen die haushoch überlegenen Preußen ist der Kampf aussichtslos. Nach einer Reihe von Niederlagen bei Karlsruhe, Rastatt und an der Murg zieht sich die geschlagene Armee nach Freiburg zurück und von hier über den Schwarzwald in die Schweiz. Die Siegerjustiz der Preußen unter dem Oberbefehl des Prinzen und späteren deutschen Kaisers Wilhelm I. ist gnadenlos. Es kommt zu zahlreichen Verurteilungen und einer Reihe von Exekutionen, besonders in Rastatt, wo sich die von Revolutionstruppen besetzte Festung den Preußen ergeben hat. In Freiburg werden die Freiheitskämpfer Maximilian Dortu, Friedrich Neff und Gebhard Kromer auf dem ehemaligen Wiehrefriedhof hingerichtet.

Kuzfassung von Andreas Meckel


Hochmotiviert und wissbegierig folgten wir dem extra für uns bestellten Hauptmann zu Fuß auf dem Revolutionspfad durch Rastatt und besichtigten anschließend die Kasematten in denen nach der Revolution viele Freiheitskämpfer starben.
Ein „Aha-Erlebnis“ hatten wir, als an einem Gebäude eine unscheinbare Verkleidung plötzlich den Zutritt zu den unterirdischen Gängen (Kasematten) freigab. Wir staunten auch über die Episode von Carl Schurz, der sich über einen Abwasserkanal befreien konnte und danach über Frankreich in die Schweiz gelangte. Präsident Abraham Lincoln ernannte ihn zum Botschafter der USA in Spanien. Danach nahm er als Unions-General am Amerikanischen Bürgerkrieg teil und wurde unter Präsident Rutherford B. Hayes Innenminister. Ein Rebell, der seine revolutionären Visionen dazu nutze, um Reformen des öffentlichen Dienstes durchzusetzen und gegen Misswirtschaft der Parteien in den USA zu kämpfen.

Der Rundweg führte an historischen Gebäuden vorbei (Rindeschwenderhaus, Alois Comlossi-Anwesen, Ludwig-Wilhelm-Gymnasium etc.). So viel Wissen macht hungrig und durstig. Wir kehrten deshalb anschließend im Restaurant Pagodenburg ein. Das Essen war ausgezeichnet. Wir hatten es gut erwischt, denn während unseres Aufenthalts im Restaurant gab es einen Regenguss.

Danach stand die Besichtigung der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Raststätter Residenzschlosses auf dem Programm.
Anhand  der dort aufbewahrten Dokumente, Bilder, Exponaten und Ton- sowie Filmaufnahmen konnten wir die mutigen Kampfaktivitäten für die Demokratie und nationale Einheit in unserem Lande bewundern. Es vertiefte unser bis dahin erworbenes Wissen.
Unsere Rückfahrt führte uns zum Jagd- und Lustschloss  „Favorite“ (Porzellanschloss) das von der Markgräfin Sybilla Augusta von Baden-Baden, zwischen 1710 und 1727 erbaut wurde.  Das Florentiner Kabinett  bot einen unvergesslicher Anblick. „Wow“ sagten manche, als sie das Schloss in der Sonne glitzern sahen. Denn die Fassade war durch eine Unzahl von Steinen verkleidet. Der Sage nach trug die Herzogin Sybilla damit zum Unterhalt der Familien bei, weil die Kinder die Steine sammelten und dafür mit Brot etc. entlohnt wurden.

Im Schlosscafé konnte wer wollte noch „Schwarzwälder“ oder Eis genießen und den Tag in angenehmem Ambiente ausklingen lassen. Auch dieser Ausflug war gelungen, obwohl das gewählte Thema den Teilnehmerkreis der Interessierten vermutlich eingrenzte. Diejenigen, die dabei waren jedenfalls, waren begeistert.

Zum Gelingen hat wie im Vorjahr auch Herr Lindinger mit unserem „Bussle“ beigetragen. Ohne Punkt und Komma berichtete Herr Meckel enthusiastisch über die Vorgänge und brachte uns somit das Thema der Badischen Revolution näher. Herr Stalter, OV Günterstal stellte wieder sein Können als Organisator unter Beweis.
Den Herren für ihr Engagement ein herzliches Dankeschön.

Angelika Müller, Ortsverein Günterstal e.V.
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