Die Dorfstraße, früher Hauptstraße Günterstals
Um den Freiburger Hausberg Schauinsland besser zu erreichen, hatte man 1905 die Schauinslandstraße in ihrem weiteren Verlauf verlegt. Die enge und gewundene alte Schauinslandstraße wurde innerhalb Günterstals ab dem Gasthaus Kybfelsen stadtauswärts in Dorfstraße umbenannt.

Die westliche Umfahrung ist die heutige Schauinslandstraße. Die beiden ältesten Gebäude der neu benannten Straße, die Dorfstraße 1 und die inzwischen abgerissene Nummer 13, hatten bis 1905 die Adressen Schauinslandstraße 53 und 63. In der Dorfstraße 5 hatte der russische Schriftsteller Maxim Gorki von September bis November 1923 gelebt. Er hatte dieses Haus von Dr. Karl Breul gemietet, welcher das Anwesen 1912 als Landsitz errichtet hatte. Dessen Witwe Rose Breul verkaufte es im Jahr 1936 an den Arzt Dr.?Hugo Wild. Zu seinen Einsätzen benutzte dieser wechselnde Verkehrsmittel: So schwebte er schon mal mit der  Schauinslandbahn aufwärts, um auf Skiern zurückzukehren oder er nutzte sein Motorrad, eine schwere Norton. Wilds Enkel Thomas Bender hat 2010 einen Verkauf an eine Baufirma erfolgreich verhindert. Nun wird das Haus von einer neunköpfigen Familie bewohnt, die auch Eigentümer des Anwesens ist. Sowohl die Nummer 5 als auch das Nachbarhaus Nummer 7 waren bergseitig direkt an die Klostermauer des früheren Zisterzienserinnenklosters und späteren Waisenhauses angebaut und die Eigentümer waren verpflichtet, die Mauer zu erhalten. Im Zweiten Weltkrieg war die Dorfstraße glücklicherweise nicht beschädigt worden. Das 1866 errichtete Haus Nummer 7 war jedoch noch 1949 von der französischen Besatzung beschlagnahmt. Das verwunschene Häuschen, dessen Fassade von Rankenpflanzen fast vollständig erobert worden war, musste dann aber Mitte der 1990er Jahre einem Neubau weichen.
Dorfstraße 1905. (Archiv L. Flamm)
Ein weiteres interessantes Gebäude dieses Straßenzuges war das Bauernhaus Nummer 13, im Stadtteil als "Schulers Haus" bekannt. Hier hatte der Günterstäler Briefträger Hermann Schuler lange Jahre gelebt. Das am Hang gelegene Anwesen erinnerte an die Zeiten, als Günterstal noch vorwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Der südliche Teil des 1815 erbauten Hauses diente als Wohntrakt, während der Ökonomiebereich den nördlichen Teil einnahm. Im Erdgeschoss war einst auch eine Werkstatt untergebracht. Auf dem undatierten historischen Foto sieht man es im Vordergrund noch weitgehend allein stehen. Mit seinen Sprossenfenstern, dem historischen Herd und dem reich verzierten braunen Kachelofen hatte es sich bis zum Abbruch weder innen noch außen wesentlich verändert.
Im Juli 1993, hatte das Häuschen nach Auskunft der damaligen Bewohner noch keinen Kanalisationsanschluss. Die "Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild" hatte sich vergeblich um den Erhalt der Gebäude Nummer 7 und 13 bemüht. Obwohl das Bauernhäuschen unter Denkmalschutz stand, wurde es abgerissen. Heute ist die leere Fläche am Hang seit Jahren von Unkraut überwuchert. Erhalten ist dagegen die Dorfstraße 4, wo die 1998  heiliggesprochene Ordensschwester Edith Stein im Sommer 1916 wohnte. In diesem Jahr jährt sich der Todestag der in Auschwitz ermordeten Philosophin zum 70. Mal. In Günterstal ist zu ihrem Gedenken in der Riedbergstraße?1 vor dem Kloster St. Lioba ein sogenannter "Stolperstein" für sie verlegt. Mit diesen Steinen im Pflaster wird an die Verfolgten des Nazi-Regimes erinnert. Seit dem Jahr 2005 ist die Dorfstraße teilweise als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen, so dass trotz der vielen Neubauten der vergangenen Jahrzehnte ein Stück Dörflichkeit zurückgekehrt ist.
Anmerkung: Das Haus Dorfstr. 13 soll von alleine zusammengefallen sein. Die Anwohner meinten, eine Bombe habe eingeschlagen oder eine Gasexplosion habe stattgefunden.

Erstmals veröffentlicht: Badische Zeitung  01.08.2012
Carola Schark
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