Bohrerbach - quo vadis?

Dass sich unser gemütlicher Bohrerbach zu einem reißenden Strom entwickeln kann, haben die Günterstäler schon manches Mal beobachten können, so auch im September 2006, als nach stärksten Regenfällen im Bereich des Schauinslands der Bach heftig anschwoll, bei der Tankstelle über sein Ufer trat und auf der Schauinslandstraße bis zur Wonnhalde floss.

Angesichts solcher Ereignisse (die mittlerweile zur Planung eines größeren Regenrückhaltebeckens oberhalb Günterstal geführt haben) stellt sich die Frage, wo unser Bohrerbach eigentlich hinfließt. Dass die Wiehremer ihn einfach Hölderlebach nennen, und dass er sich an den Kleingärten vorbei durchs Lorettobad schlängelt, weiß jeder. Aber wie geht es eigentlich weiter?

Aber sehen wir doch erst einmal nach, wo der Bohrerbach herkommt. Südlich von Günterstal können wir ihn bis zur Siedlung „Bohrer“ verfolgen. Der weiter Bachverlauf lässt sich am besten auf dem Forstweg erkunden, der direkt am Beginn der alten Rennstrecke rechter Hand beginnt. Nach etwa 3 Kilometern, unterhalb der Langenbachhütte, kommen die beiden größten Quellbäche, der Langen- und der Klausenbach zusammen.

Der junge Bohrerbach an der "Hinteren Mühle"
Der junge Bohrerbach an der "Hinteren Mühle"
Der Langenbach hat seinen Ursprung beim alten Berghotel Schauinsland. Man sieht ihn im Bereich der Holzschlägermatte unter der Seilbahn. Der längere Quellbach ist der Klassenbach, seinen Ursprung hat er oberhalb der Gießhebelstraße, und zwar gleich nach der ersten Rechtskurve nach der Abzweigung von der Schauinslandstraße. Hier also beginnt unser Bohrerbach. Er liefert in diesem Bereich übrigens den Großteil des wunderbaren Günterstäler Leitungswassers.

Unterhalb Günterstal muss unser Bohrerbach nicht erst in der Wiehre, sondern bereits am „Kreuz“ zu Beginn der Breitmatte seinen Namen ablegen, ab hier heißt er ganz offiziell Hölderlebach.

An der Wiese, den Kleingärten, dann der Matthias-, Grünewald-, Silberbach- und Mercystraße, zuletzt der Schwimmbadstraße entlang gelangt der Bach zur Walddorfschule. Mit dem von manchen Günterstälern vermuteten direkten Weg zur Kronenbrücke wird es aber nichts. In einer anmutigen Linkskurve unterquert das Bohrerdwasser an der Haltestelle „Reiterstraße“ die Basler- und Kronenstraße und rauscht hinter dem Victoriagebäude vorbei zu dem ehemaligen Postgelände, das nicht von ungefähr „Hölderle-Carrée“ heißt. Dann aber hat es sich ausgehöldert: In Haslach taucht unser Gewässer östlich der Eschholzstraße als Dorfbach wieder auf. Wer  ihn begleiten will, muss von der Eschholzstraße nach Westen in den Ludwig-Franck-Weg einbiegen.

Dorfbach - „Versickerung” in Haslach
Dorfbach - „Versickerung” in Haslach
Vorbei an der Staudingerschule geht es durch Haslach und das hier erstaunlich grüne Weingarten bis zum Dietenbachgelände. Dort wird ein Viertel des Wassers abgezweigt und durch den Neunaugenbach in Richtung Rieselfeld und das ZMF-Gelände geschickt; zwischen dem Waltershofer und dem Opfinger Baggersee fließt es nördlich von Opfingen schließlich in den Mühlbach.
Die anderen drei Viertel dagegen fließen als Dietenbach durch das gleichnamige Gelände, unter der Westrandstraße hindurch, am Funkmast an der Zubringerausfahrt Lehen vorbei und wenige Meter nördlich des Mundenhofs unter der Autobahn hindurch.

Und jetzt steht schon wieder eine Namensänderung an: aus dem Klausen-, Bohrer-, Hölderle-, Dorf-, Dietenbach wird der Mühlebach, den jeder Umkircher Grundschüler aus dem Heimatkundeunterricht kennt. Den Umkirchern ist durchaus bekannt,  dass „ihr“ Mühlebach vom Schauinsland kommt  Aber dass die Urheberrechte in Günterstal liegen, weiß man hier kaum mehr.

Wer das Bohrerwasser in Umkirch sehen will, muss in der Ortsmitte nach Waltershofen abbiegen. Nach 100 Metern kreuzt die Straße den Bach. Über Wiesen, am Dachswangerweg entlang und vorbei an einem großen Reitstall erreicht der Mühlebach die Straße Waltershofen-Gottenheim. Dort kommt es zum Zusammenfluss mit dem vorhin erwähnten Mühlbach (ohne „e“!), der auch schon einen ziemlich langen Weg und etliche Namenswechsel hinter sich hat, er enthält das im Dietenbachgelände abgezweigte Viertel des Bohrerwassers.  Die vereinten Gewässer tragen von jetzt an seinen Namen.   
Nun kommen wir nach Gottesheim Bald nach dem Ortseingangsschild taucht der Mühlbach auf der linken Seite auf und verzweigt sich an der scharfen Linkskurve vor dem Ortszentrum erneut. Der etwas kleinere Arm fließt geradeaus weiter. Wir treffen ihn in Bötzingen rechter Hand wieder. Am Bahnhof und an wunderschönen Mühlen vorbei strebt der Mühlbach Eichstetten zu.

Mühlbach nördlich von Bötzingen
Mühlbach nördlich von Bötzingen
Der andere, etwas größere Arm zweigt in Gottenheim nach rechts ab und benutzt bald darauf ein fremdes Flussbett. Um das zu verstehen, müssen wir fast 200 Jahre zurückblicken: Im Bereich der Freiburger Altstadt wurde schon im Jahr 1680 mit der Kanalisierung der Dreisam begonnen. Unterhalb der Altstadt floss sie in endlosen Schlingen und mit vielen Verzweigungen in Richtung Rhein. Um die ständigen Überschwemmungen einzudämmen, wurde unter Tulla nicht nur der Rhein, sondern ab 1820 auch die untere Dreisam kanalisiert. Von Freiburg bis Neuershausen orientierte sich Tulla am alten Flussverlauf. Dann aber schuf er dem Dreisamwasser ein ganz neues Bett, das fast schnurgerade nach Riegel strebt. Die alte Dreisam, die bis dahin von Neuershausen über Eichstetten und Bahlingen nach Riegel geflossen war, hängte er damit einfach ab. Bis dahin  mündete der rechte Arm des Mühlbachs hinter Gottesheim in die alte Dreisam.
Jetzt hat das Bohrerwasser das alte Flussbett der Dreisam ganz für sich allein und erreicht unter dem Namen Altwasser Eichstetten. Dort, direkt vor der sehenswerten Fünfbogenbrücke kommt es zum Zusammenfluss  von Mühlbach und Altwasser, ab hier führt der ehemalige Bohrerbach den Namen Alte Dreisam.
Alte Dreisam in Eichstetten
Alte Dreisam in Eichstetten
Am Bahnhof Nimburg kommt die Alte Dreisam der „neuen“ bedrohlich nahe. Die alte scheut aber den Kontakt mit der neuen und fließt nach Bahlingen und weiter nach Riegel. Direkt unterhalb der Michaelskapelle an der ehemaligen Brauerei strömen die Elz, die heutige Dreisam (die kurz zuvor noch die Glotter aufgenommen hat) und die alte Dreisam zusammen. 

Von hier, 45 Kilometer von Günterstal entfernt, erreicht unser Bohrerwasser, eingezwängt in den Leopoldshafen,  nach weiteren 15 Kilometern bei Rheinhausen den Rhein.
Der gesamte Bachverlauf lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad verfolgen. Schwäne, Eisvögel, Wehre und Mühlen machen die Fahrt zu einem schönen Erlebnis.  Und wer müde Beine hat, kann sie  heimwärts schonen, fährt zunächst mit der SWEG nach Gottesheim und dann mit der Breisgau-S-Bahn zum Hauptbahnhof.
Zusammenfluss von alter Dreisam (li), heutiger Dreisam (re) und Elz (ganz rechts)
                      Zusammenfluss von alter Dreisam (li), heutiger Dreisam (re) und Elz (ganz rechts)

                                         Christian Wolf (Aus dem „Günterstäler Tor“ 3/2006)

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