DAS REBHAUS AN DER WONNHALDE
Ein Ort mit glanzvoller Vergangenheit

Andreas Meckel
Nur die wenigsten in Freiburg wissen, daß ihre Stadt einst auf dem besten Wege war, zu einer echten Bäder- und Kurstadt zu werden. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hatte das einstige Bad, Sanatorium und Kurhotel „Rebhaus“ an der Wonnhalde, das seit seiner Gründung 1891 schnell zu einem weithin bekannten Kurbetrieb und gesellschaftlichen Mittelpunkt wurde.

Zeitgenössische Postkartenansicht der imposanten Kuranlage „Bad Rebhaus“ (Sammlung Flamm)
Initiator und Gründer war der aus Posen stammende 1827 geborene Max Daniel Lasker. Im Zuge der einsetzenden Industrialisierung gründete er zunächst Mitte des 19. Jahrhunderts in Freiburg einen lederverarbeitenden Betrieb. Die Firma Lasker an der Kronenmattenstraße produzierte mit rd. 50 Arbeitern gewichstes Kalbsleder, das an die aufblühende Schuhindustrie geliefert wurde.

Nach dem Rückzug aus dem Betrieb und als nunmehr wohlhabender „Privatier“ suchte Max Daniel Lasker ein neues Betätigungsfeld und entwickelte die Idee zur Einrichtung eines zunächst als „Wasseranstalt“ bezeichneten Sanatoriums – das spätere „Bad Rebhaus“ an der Wonnhalde. Max Daniel Lasker lebte dort mit seiner Familie in einer großzügigen herrschaftlichen Villa.

Der Gründung von „Bad Rebhaus“ gingen umfangreiche Untersuchungen und Gutachten voraus. So wurde zunächst geprüft, inwieweit das Wasser des u. a. aus Sägen-, Iller- und Roßbachdobel gespeisten Hölderlebachs für den beabsichtigten Heilbetrieb überhaupt geeignet war. Aber auch die Erzeugung des bis dahin in Freiburg unbekannten elektrischen Stroms durch ein eigenes Kraftwerk wurde im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit eingehend untersucht.
Es dauerte mehrere Jahre bis die Bedenken der Stadtverwaltung, auch genährt durch die Anlieger wie das „Heim´sche Schwimmbad“ - Vorläufer des heutigen Lorettobads – das seine Wasserqualität beeinträchtigt sah, ausgeräumt waren.
Am 27. Mai 1891 wurde schließlich die Betriebsgenehmigung erteilt. Zu den Auflagen gehörte, daß alle erwarteten Kurgäste jeweils an- und abgemeldet werden mußten. Nun konnte der Betrieb der „Wasserheilanstalt nach Pfarrer Kneipp´s System“ beginnen.

Zunächst diente die Lasker-Villa selbst zur Aufnahme der ersten Kurgäste. Der Sanatoriumsbetrieb lief so erfolgreich an, daß trotz An- und Umbauten in der Lasker – Villa mit der Einrichtung von Lese- und Billiardzimmer, Salons und Speisesaal eine umfangreiche Erweiterung notwendig wurde. Zu ihr gehörte das nördlich der Villa erbaute sogenannte „Badehaus“, das die medizintechnischen Einrichtungen – ursprünglich als „medico-mechanische Maschinen“ bezeichnet- aufnahm und zum Herzstück des Heilbetriebs wurde. Seinen eigentlichen Charakter als Kuranlage bekam „Bad Rebhaus“ aber erst mit der Errichtung des  repräsentativen Kurhotels in mehreren Bauphasen zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Es entstand oberhalb der Lasker – Villa, die nun als „unteres Haus“ bezeichnet wurde. Kurhotel und unteres Haus waren durch einen gedeckten Gang miteinander verbunden.
  
1902 entstand schließlich östlich des unteren Hauses, auf dem Terrain der heutigen Baden-Württembergischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt, eine große repräsentative Glashalle. Die Eisenkonstruktion war im Stil der aufsehenerregenden Pavillons der damaligen Weltausstellungen errichtet. Sie wurde bald zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Freiburgs und war Schauplatz zahlreicher glanzvoller Veranstaltungen in der zu Ende gehenden wilhelminischen Epoche. Der die Glashalle umgebende „Wirtschaftsgarten“ hatte den Charakter einer exotischen Gartenanlage, was sehr zur Attraktivität des Rebhauses beitrug. Manche alten Freiburgerinnen und Freiburger erinnern sich noch an Ausflüge in ihrer Kindheit, die bis weit in die Dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein zu Kaffee und Kuchen in das Restaurant des Glashauses bzw. dessen Außenanlagen führten. Der respektlose Name „Tantenaquarium“ unter dem die Glashalle in Freiburg bekannt war, bezieht sich auf die zahlreichen Damenkränzchen und Tanztees, die dort stattfanden.
Die „Glashalle“ mit Gartenanlage zu Beginn des 20. Jh. (Freiburger Almanach/Stadtarchiv)
Nach dem Tod des Rebhaus-Gründers Max Daniel Lasker, der 1910 im Alter von 83 Jahren starb, übernahmen die beiden Söhne Dr. Albert Lasker – zuständig für den medizinischen Bereich – und Daniel Max Lasker die Leitung des Rebhauses. Sie erweiterten die Anlage um das sogenannte „Doktorhaus“, das als Arzthaus diente, und mit dem ehemaligen Kurhaus zusammen die Zeit  bis heute fast unverändert überstanden hat. Ein dritter Sohn von Max Daniel Lasker, Ernst Friedrich Lasker, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in den Vereinigten Staaten, die einzige Tochter Klara Lasker auch im Rebhaus.

Der erste Weltkrieg sah das Rebhaus als Lazarett des Roten Kreuzes. Das untere Haus war für Offiziere reserviert, das Kurhotel für Mannschaften bestimmt.Danach setzte das Rebhaus seine erfolgreiche Entwicklung fort – unberührt vom einsetzenden Hotelsterben, dem u. a. das Kurhaus „Jesuitenschloß“ zum Opfer fiel. Die Gästeliste glänzte mit bekannten Namen, wie den Mountbattens und Harrisons aus dem zum britischen Empire gehörenden Indien. Fabrikanten und Künstler, wie Angehörige des Bolschoi-Balletts, gaben sich ein regelmäßiges Stelldichein. Auch Else Lasker-Schüler, eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen und verwandt mit der Familie Lasker, kam oft zu Besuch in das Rebhaus, das sogar eine Poststelle mit eigenem Stempel besaß.
Die Eigentümerfamilie im 1. Weltkrieg, Stabsarzt Dr. Albert Lasker, seine Frau Luise,
daneben sein Bruder Daniel Max Lasker mit der Schwester Klara Lasker
Dr. Albert Lasker hatte im 1. Weltkrieg als Oberstabsarzt gedient und starb 1924 an einem Kriegsleiden, bald darauf auch sein Bruder Daniel Max. Die Witwe von Dr. Albert Lasker, Luise Lasker, und seine Schwester Klara, beide als herzlich und gütig geschildert, versuchten nun, den Erfolg fortzusetzen, doch das Rebhaus geriet Ende der Zwanziger Jahre ins Schlingern. Die als Auffanggesellschaft 1928 gegründete „Sanatorium Rebhaus Aktiengesellschaft“ mußte 1929 Konkurs anmelden. Eine Reihe von Gründen hatte zu dieser Entwicklung geführt. Notwendige Modernisierungen im Sanitärbereich und in der Ausstattung waren unterblieben oder zu lange aufgeschoben worden.
Das Sanatorium Rebhaus, Aufnahme 1925 (Sammlung L. Flamm)
Wer von dem unzeitgemäßen Komfort nicht abgeschreckt wurde, war es vielleicht von der „unpersönlichen Geschäftsführung, die den engen, persönlichen und vielfach sogar freundschaftlichen Kontakt der Familie Lasker mit den Gästen des Rebhauses nicht in der gewohnten und von den Gästen erwarteten Weise weiter pflegen konnte“, wie der spätere Verwalter und Geschäftsführer Heinrich Lenze berichtete. In den Jahren 1927 bis 1929 war schließlich mit der Errichtung des Kneipp-Kurhauses St. Urban in Herdern durch die Barmherzigen Brüder eine - wenn auch nicht unmittelbar fühlbare – Konkurrenz erwachsen. Wie weit der bereits in den zwanziger Jahren einsetzende Antisemitismus zu dem temporären Niedergang des im Besitz der jüdischen Familie Lasker befindlichen Rebhauses mit einem erheblichen Anteil an jüdischen Gästen beigetragen hat, kann nur spekuliert werden. In seinem Buch „Unser Hotel ist judenfrei“ schildert Frank Bajohr eindrucksvoll eine Variante des sogenannten „Bäder-Antisemitismus“.
Nach dem Konkurs der AG blieb das Rebhaus für nahezu zwei Jahre geschlossen. Während dieser Zeit gab es von seiten der beiden Besitzerinnen Luise und Klara Lasker zahlreiche Bemühungen dem ruhenden Komplex neues Leben einzuhauchen. So wurde die „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“, vertreten durch den Chemiker Hugo Rosenberg, für den Plan gewonnen, im Rebhaus eine Tuberkuloseheilstätte einzurichten. Dies rief sofort das Städtische Gesundheitsamt auf den Plan, welches in seiner ablehnenden Haltung vom Hygieneinstitut, Fremdenverkehrsamt und dem Stadtrat Freiburgs unterstützt wurde. Nach einigem Hin und Her wurde 1932 das „Gesuch wg. Einrichtung einer Lungenheilstätte“ endgültig abgelehnt.
Unabhängig davon war das Rebhaus am 1. April 1931 unter dem Namen Max D. Lasker OHG wieder als Kurhotel in der unteren Villa mit 60 Betten und Gartenrestaurant eröffnet worden. Die Stadt hatte in der neuen Startphase Steuererleichterungen- und stundungen signalisiert und nach kurzer Zeit florierten Kurhotel und Restaurant unter dem neu eingestellten Betriebsleiter Heinrich Lenze und der tatkräftigen und energischen Leitung der beiden Lasker- Damen.
Die Schwägerinnen Luise und Klara Lasker vor der Glashalle(Archiv Hauser)
Luise Lasker war mit den drei Töchtern aus ihrem Haus in der Maximilianstraße in das Rebhaus zurückgezogen und scheint die treibende Kraft hinter der Revitalisierung der Anlage gewesen zu sein. Ihre Idee war, das Rebhaus zu einem „Sportsanatorium“ auszubauen, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gab. Sie plante, neben der Einbeziehung bereits vorhandener städtischer Eislaufplätze in unmittelbarer Nachbarschaft, die Umwandlung der Wiesenflächen zwischen Freiburg und Günterstal zu einem Golfplatz und schließlich die Einrichtung eines Strandbads.

Wie zur Gründungszeit des Rebhauses gab es vor allem um das geplante Bad einen aufreibenden Kampf gegen starken bürokratischen Widerstand, den Luise Lasker mit Geschick und Zähigkeit ausfocht. Schließlich lenkte die Stadt ein und stimmte einem Konzept zu, wonach das städtische Strandbad an der Schwarzwaldstraße ein „Volksbad“, das an der Wonnhalde geplante ein privates „Park-Familienbad“ werden sollte. Vorgesehen waren Plansch- und Schwimmbecken, Liegeplätze in der Umgebung der Glashalle, Duschräume im „Badehaus“ und neu zu errichtende Umkleidekabinen. Anteilscheine und Zuschüsse der öffentlichen Hand sollten die Finanzierung absichern. Ein neu gegründeter Verein „Parkbad Freiburg-Günterstal (Rebhaus) e.V.“ hielt im September 1932 seine erste öffentliche Versammlung ab.

Auch der Sanatoriumsbetrieb wurde im Herbst 1932 mit der Einstellung eines Arztes wieder aufgenommen. Das sogenannte „Oberhaus“, als ehemaliges eigentliches Kurhotel mit 30 Wohnräumen und etwa 45 Betten ausgestattet, war schon zum  1. Oktober 1931 aus der Kuranlage ausgegliedert worden und an das St. Marienhaus, eine Haushaltsschule für „höhere Töchter“ vermietet worden. Die regelmäßigen Einnahmen aus der Vermietung dienten dazu, Steuerforderungen zu begleichen und Hypothekenzinsen zu bezahlen. Ein 1932 von Stadtarzt Pflüger verfasstes Gutachten zu „Lage und Klima der Kurstadt Freiburg“ unterstrich die günstigen Voraussetzungen, die Freiburg als Kur- und Bäderstadt aufwies. So schien das auch bei der Freiburger Bevölkerung angesehene und beliebte Rebhaus auf eine prosperierende Zukunft hinzusteuern, die nach den Plänen der Lasker-Damen vor allem von den Töchtern von Luise Lasker, der zu Jahresbeginn 1933 schon 15 Jahre alten Elisabeth Ruth, der 14 Jahre alten Anna und der 12 Jahre alten Gertrud Susanne, gestaltet werden sollte. Doch wie für Hunderttausende jüdische Familien brachte der mit der sogenannten „Machtergreifung“ Hitlers einsetzende nationalsozialistische Terror das Ende solcher Zukunftserwartungen und  -pläne mit sich. Das politische Klima drehte sich jetzt plötzlich. Der „arische“ Betriebsleiter Heinrich Lenze schrieb in einem Bericht: „Infolge der 1933 erfolgten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Entwicklung des Rebhauses jäh unterbrochen. Es traten Schwierigkeiten in nie gekanntem Umfange ein...“

Auch die Pläne für den Ausbau des Rebhauses zum Sportsanatorium waren nur noch Makulatur, denn in einer Stellungnahme für den NS-Oberbürgermeister Kerber schrieb Stadtrechtsrat Dr. Josef Brandel (nach dem Krieg von 1956 bis 1962  Oberbürgermeister in Freiburg): „Herr Direktor Hiegert (der damalige Direktor des „Stadtrentamtes“ d. Verf.) wies darauf hin, daß das Parkbad mit Rücksicht auf die nichtarische Abstammung der Familie Lasker in der heutigen Zeit einen wirtschaftlichen Erfolg nicht versprechen könne und aus diesem Grunde wohl kaum mit der Durchführung des Projektes zu rechnen sei.“

Doch für die Familie Lasker kam es bald viel schlimmer. Ein Bruder von Luise Lasker, Dr. Georg Rawitscher, war aus politischen Gründen in die Schweiz geflüchtet. Daraufhin wurde ihr gedroht, daß sie und ihre Töchter verhaftet würden, wenn er nicht innerhalb einer Woche zurückkehren würde. Innerhalb von drei Tagen verließ Luise Lasker mit den drei Töchtern Hals über Kopf das Rebhaus. Mit wenig Gepäck und einer geringen Summe Bargeld setzte die Familie im August 1933 mit einer Fähre von Gayenhofen aus über den Bodensee in die Schweiz über und fuhr zunächst nach Florenz weiter. Klara Lasker war noch zurück geblieben und sandte einen Teil der Familienmöbel und Wertgegenstände dorthin nach. In Florenz wollte Luise Lasker das ersehnte baldige Ende des „Dritten Reichs“ abwarten – eine trügerische Hoffnung, die ebenso zerstört wurde wie die kurze Blütezeit des Rebhauses zwischen 1931 und 1933! Im Februar 1935 emigrierte die Familie Lasker zusammen mit der im November 1933 nachgereisten Klara Lasker nach Palästina.
Mit Betriebsleiter Heinrich Lenze hatte die Familie Lasker noch unmittelbar vor ihrer Flucht einen Pachtvertrag abgeschlossen und ihm Generalvollmacht erteilt in der Hoffnung, so das Rebhaus erhalten zu können. Heinrich Lenze erhielt bereits Ende September 1933 die „Erlaubnis zum Betrieb des Sanatoriums, Kurhotels und Restaurants (Gastwirtschaft mit Branntweinausschank, Wonnhaldestr. 1)“. Bis Mitte 1934 konnten die Umsätze einigermaßen gehalten werden, brachen dann jedoch plötzlich ein, wie Heinrich Lenze berichtete. Jüdische Gäste, die einen beachtlichen Anteil des Gastaufkommens gestellt hatten, fielen nun aus, ausländische Besucher, vor allem aus England und Holland, mieden Deutschland, und deutsche Gäste wagten kaum noch, einen jüdischen Kurbetrieb zu besuchen. Die Freiburger Stadtverwaltung ihrerseits verstärkte den Druck im Hinblick auf die angestrebte „Arisierung“ des Rebhauses über rigorose Steuereintreibungen. Gleichzeitig wies das städtische Fremdenverkehrsbüro dem Rebhaus keine Gäste mehr zu. Heinrich Lenze stellte erbittert fest, „daß das Rebhaus Pfingsten 1934 nur 4 Gäste hatte, während sämtliche Freiburger Hotels überfüllt waren und Hunderte von Fremden keine Hotelbetten fanden und Freiburg verlassen mußten.“

Obwohl Heinrich Lenze nach eigener Aussage sich dieser Entwicklung entgegenstemmte, waren die Einnahmen schließlich zu gering, um das Rebhaus weiter betreiben zu können. Das noch 1932 aufstrebende Unternehmen mit einem Bilanzwert von über einer Million Reichsmark wurde in die Zwangsversteigerung getrieben und zerschlagen. Heinrich Lenze soll noch einen Teil des Inventars an Möbeln, Teppichen und Wertgegenständen abtransportiert haben, der aber nie wieder auftauchte.

Das weitere Schicksal des Rebhauses läßt sich anhand der Teile schildern, in die die Anlage nun zerfiel. Die neuen Eigentümer verfolgten ganz unterschiedliche Interessen. Das ehemalige Kurhotel, das „obere Haus“, seit 1931 an die Haushaltsschule St. Marien vermietet, wurde von der Inhaberin Paula Heilig weiter betrieben, 1941 zu einem Schülerinnen- und Studienheim mit einer großen Heilpraxis des Reichsarbeitsdienstes umfunktioniert. Wie schon im ersten Weltkrieg dienten dann oberes und unteres Haus als Krankenhäuser, die ab Ende 1944 als Behelfsunterkünfte für die beim großen Luftangriff auf Freiburg zerstörten Kinder- Augen- und Polikkliniken eingerichtet wurden.
1985/86 wurde das ehemalige Kurhotel unter Schonung der alten Bausubstanz zu einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen umgebaut, das bis heute vom Freiburger Stadtverband der Caritas getragen wird.

Das „untere Haus“, die alte Lasker – Villa, hatte nach einer privaten Verwendung dann ab 1941 den „Einsatzstab Baden der Volksdeutschen Mittelstelle“ beherbergt. Auf seinem Platz entstand 1954 ein Mehrfamilienwohnhaus. Das ehemalige Arzthaus, die 1910 als Hochzeitsgeschenk für Luise und Dr. Albert Lasker erbaute Jugendstilvilla, existiert als Wohnhaus weiter.
Die Glashalle in einer Aufnahme von 1925 (Sammlung L. Flamm)
Die meisten Erinnerungen der alten Menschen in Freiburg an das Rebhaus aber verbinden sich mit der Glashalle, jener verschwundenen einzigartigen Glas/Stahlkonstruktion. Während des Frankreichfeldzugs  1940 war hier eine motorisierte Einheit der Wehrmacht untergebracht, bald darauf ein Sammellager für „Volksdeutsche“ aus verschiedenen Regionen des „Großdeutschen Reichs“. 1945 betreute das internationale Flüchtlingshilfswerk (UNRRA) hier Flüchtlinge aus den baltischen und anderen osteuropäischen Staaten. Künstler aus diesen Flüchtlingsgruppen veranstalteten 1949/50 noch eine Ausstellung, bevor sie die Halle verließen. 1951 wurde sie, verwahrlost und verdreckt, abgebrochen. Ein Arbeiter verlor dabei sein Leben. Ihren Platz nimmt heute, wie erwähnt, die Baden-Württembergische Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt ein.

Klara Lasker, die 1944 starb, und Luise Lasker (gest. 1952) mit ihren drei Töchtern kehrten nicht mehr nach Deutschland zurück. Eine Entschädigung wurde 1949 in einem Gerichtsverfahren abgelehnt - ein aus dem Geist der Verdrängung in den Jahren unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg geborenes  krasses exemplarisches Unrechtsurteil! Ein neues Verfahren brachte den Erbinnen später noch eine beschämend dürftige Entschädigung ein. Für die im Rebhaus zurückgelassenen Einrichtungsgegenstände zahlte das „Landesamt für Wiedergutmachung“ ganze 200 DM, womit „alle weiteren Ansprüche abgegolten“ waren!

Lediglich die noch manchen Spaziergängern und Wanderern bekannte  „Laskerruhe“ – zwischen Teich und Stephanienruhe in der Unteren Bodlesau gelegen – erinnert noch an den einst klangvollen in Freiburg bekannten Namen.
Dort war eine Gedenktafel für Eduard Lasker angebracht, einen in der frühen wilhelminischen Epoche bekannten Politiker und Bruder des Rebhaus- – Gründers, der sich oft bei der Familie im Rebhaus aufhielt.
Das Rebhaus in einer Aufnahme von 1925 (Sammlung L. Flamm)
Im Mai 2007 wurde auf Initiative des Autors und des Caritasverbands Freiburg-Stadt e. V. unterhalb des heutigen Wohnhauses für Menschen mit Behinderungen, des ehemaligen Kurhotels, eine Tafel eingeweiht. Sie erinnert an den Gründer des Rebhauses, Max Daniel Lasker, und das Schicksal seiner Familie und soll zum Nachdenken über den Glanz und Niedergang der noblen und imposanten Kuranlage Rebhaus anregen sowie über das nicht wieder gut zu machende Unrecht, das die Eigentümerfamilie erleiden mußte.
Literatur:
Walter Vetter  „Sanatorium Rebhaus“ in „Haus Wonnhalde“, Hrsg. Caritasverband Freiburg-Stadt e. V., 1988
Walter Vetter „Sanatorium Rebhaus“, Artikelserie in der Badischen Zeitung, Jan./Febr. 1988
Frank Bajohr „Unser Hotel ist judenfrei“, Bäder Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main, 2003
Div. Briefe und Schriftstücke aus dem Privatarchiv von Hanna Hauser, geb. Lasker, Tel Aviv
Unterlagen aus dem Staatsarchiv Freiburg:
Schreiben von Heinrich Lenze an das Landesamt für Wiedergutmachung vom 1. August 1959
Schreiben von Elisabeth Ruth Cale (geb. Lasker) aus Jerusalem vom 18. Juli 1954
Gerichtsakten der Restitutionskammer beim Landgericht Freiburg
Restitutionsakten aus dem Landesarchiv Baden – Württemberg
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