Maxim Gorki in Günterstal
     Die Reise des russischen Dichters Maxim Gorki von Berlin nach Freiburg verlief nicht ohne Schwierigkeiten: Beim Besteigen des Zugs verlangten „die gottesfürchtigen Deutschen” von ihm eine Heiratsurkunde, die er nun einmal nicht vorweisen konnte, so mußten er und seine Lebensgefährtin Baronin Budberg statt im gemeinsamen Coupé in getrennten Abteilen reisen. Dann erzwang die Unterbrechung der Rheintallinie durch die französische Besetzung eine Verlängerung der Reisedauer auf 22 Stunden, und schließlich nahm man den Russen in Freiburg die Pässe ab, um sie eine Woche lang zu studieren. Dennoch: Als das Quartier im Günterstäler Hotel Kyburg bezogen ist, bessert sich die Stimmung: „Hier muß man leben! Das ist nicht das Loch von St. Blasien, sondern eine sehr schöne Gegend”, schreibt Gorki in einem der ersten in Günterstal geschriebenen Briefe, und „Ich lebe in der Tat nicht schlecht, etwa 10 Minuten zu Pferd von Freiburg entfernt in einem breiten, heiteren und grünen Tal”.

Hotel Kyburg (1912) Archiv R. Thomann
Allerdings: „Ausländer (ausgenommen Engländer) schätzt man hier nicht, insbesondere die Russen”, und in eineinhalb Monaten werde man wieder nach Berlin zurückkehren.
     Maxim Gorki („der Bittere”), das war das Pseudonym, das der 1868 in Nischni-Nowgorod geborene Alexander Maximowitsch Peschkow seit der Veröffentlichung seiner ersten Erzählung 1892 verwendete. Mit dem Drama „Nachtasyl” hatte er seinen Weltruf begründet. Seit 1905 bestand seine Freundschaft mit Lenin, die trotz harter Auseinandersetzungen bis zum Tod des Revolutionsführers halten sollte. Die Oktoberrevolution 1917 hatte Gorki abgelehnt, das russische Volk war seiner Meinung nach für einen derartigen Umsturz noch nicht reif. Während der Hungersnot 1921 widmete er sich, zusammen mit Fridtjof Nansen, vorwiegend der Organisation einer internationalen Hungerhilfe. Im gleichen Jahr verschlimmerte sich die Tuberkulose des Dichters, für Lenin eine willkommene Gelegenheit, den ihm lästig werdenden Freund mit fürsorglicher Geste ins Ausland loszuwerden. Gorki hatte zuerst das Sanatorium in St. Blasien aufgesucht, wechselte dann in Sanatorien an der Ostsee und bei Berlin. Aber nach einem erneuten Aufflackern der Schwindsucht empfahl der Berliner Tuberkulosespezialist erneut einen Aufenthalt im Schwarzwald, und da dem Dichter das renommierte St. Blasien mit seinen Lungenkranken zuwider geworden war, fiel seine Wahl auf das nicht eben als Kurort berühmte Günterstal. Schließlich hatte ja 1904 sein Freund Tschechow das nicht weit entfernte Badenweiler gleichfalls wegen einer Tuberkulose aufgesucht. Was aber hat damals für Günterstal gesprochen?  Entscheidend war vermutlich die Sympathie zur Universitätsstadt Freiburg, die ihn 1921 zu einem Vortrag über Russland und die russische Literatur eingeladen hatte  (seine Briefe geben keinerlei Hinweis darauf, dass der Vortrag tatsächlich gehalten wurde, auch in der „Freiburger Zeitung“ findet sich keine Erwähnung), und wo damals ein „Akademisches Hilfskomitee für das hungernde Russland“ gegründet worden war.

     Einige Tage nach der Ankunft im Juni 1923 vermeldet Gorki: „Hier ist es sehr regnerisch, ein bisschen kalt, aber trotzdem gut! Freiburg hat mich bezaubert. Wieviel ist hier zu spüren von den alten, geschmackvollen Zeiten, und wie sorgsam und mit welcher Liebe die Deutschen hier die Spuren der Vergangenheit pflegen!" Und Gorki nennt als Beispiele natürlich den Münsterturm und die Bächle.  Aber schon nach kurzer Zeit ist die anfänglich wohlgemute Stimmung umgeschlagen: „Meine Gesundheit hat sich offensichtlich völlig verschlechtert: Erneut habe ich wieder meine Bronchitis mit teuflisch  starkem Husten, Fieber, Kopfschmerzen und Atemnot. Und das Wetter ist miserabel und schändlich: Es regnet jeden Tag, das Heu verfault. Die Deutschen schauen finster gen Himmel und werden demnächst wohl zu Atheisten. Ich möchte unbedingt arbeiten, aber mein scheußliches Unwohlsein hindert mich daran“. Auch „Moura" Budberg (eine schillernde Persönlichkeit, möglicherweise Agentin nicht nur des sowjetischen Geheimdienstes) wird „wegen des kalten Wetters wütend und völlig unzugänglich“. Ab Anfang Juli ist diese Krise vorüber, die Sonne „scheint nach deutscher Art richtig tüchtig“ und „ich werde gesund und gesünder, bin schon dick geworden, habe eine gesunde Gesichtsfarbe bekommen und einen dicken Bauch“. Der ihn behandelnde Arzt, sehr wahrscheinlich Dr. Levi, „ein guter Arzt“ (der 1936 gezwungen werden wird, seine Praxis aufzugeben, im August 1942 mit seiner Frau in das KZ Theresienstadt deportiert wird und ein halbes Jahr später verhungert), will von ihm kein Geld, Gorki möchte ihn statt dessen mit seinen Büchern entschädigen, die aber in Berlin noch immer nicht erschienen sind, auch der Hotelier, „ein liebenswürdiger Mensch“ soll sie bekommen. Die autobiographischen Romane, zuletzt „Meine Universitäten“, sind noch vor dem hiesigen Aufenthaltin abgeschlossen worden, nun ist Gorki vorwiegend mit seiner literarisch-wissenschaftlichen Zeitschrift „Besseda“ beschäftigt, für die er Beiträge unter anderem von Stefan Zweig und Romain Rolland erhält, während die vorgesehenen Texte sowjetischer Schriftsteller „auf dem Postweg verlorengehen“......
     Sein Blick auf die hiesigen Bürger ist mittlerweile kritischer geworden, jedenfalls gehen sie ihm bei den Tanzabenden im Hotel Kyburg erheblich auf die Nerven: „Obwohl die hiesigen Deutschen besser als die Preußen sind, haben sie etwas Grobes an sich. Oh Gott, was sie nicht alles in unserem Hotel an den Samstagen anstellen. Der Mann umarmt mit Vorliebe eine dickschenklige Frau, drückt sie eng an sich und malträtiert ihr mit den Knien den Unterleib. Sie sind überzeugt, daß sie dabei einen Tanz vollführen. Wenn man aber durch das Fenster zuschaut, die Musik nicht hört und dieses lautlose Geschehen betrachtet, könnte man eher meinen, es handle sich dabei um unterschiedliche Methoden eine Frau zu foltern”. Wohlwollender klingt dagegen die Schilderung der Landschaft: „Interessant ist hier die Vegetation, nicht nur wegen ihrer Farben, sondern auch wegen ihrer Formen: Thujen, Zypressen, verschiedene Nadelbäume (im Park des Bernshofs oder um die Villa Metz?). Es ist eine milde, bergige Landschaft, die Ihnen übrigens vermutlich nicht gefallen würde
     Unterdessen ist Gorki „fast gesund geworden, nur in der linken Lunge pfeift es noch etwas“. Tatsächlich wird der ominöse Bluthusten während des Freiburger Aufenthalts nicht mehr erwähnt und sollte erst in späteren Jahren erneut auftreten. Gorkis Sohn Maxim sucht in dieser Zeit für die Großfamilie eine Wohnung am Berliner Stadtrand, hat dabei aber keinen Erfolg, Gorki lädt daraufhin ihn, Ehefrau Timoscha und den Malerfreund Rakicki nach Günterstal ein.
     Mit dem Strom der Exilanten geriet der damals prominente Maler Korovin ausge­rechnet in das Hotel Kyburg, dort stieß er eines Abends unversehens auf Gorki, der in vor­revolutionären Zeiten schon Gast in Korovins Villa auf der Krim gewesen war. Gorki: Er „hat sich Maxims Zeichnungen angeschaut und äußerte sich über diese sehr begeistert; er findet, dass Maxim ein großes und originelles Talent hat. So angespornt, malte Maxim jr. ein vortreffliches Bild  der St. Paulistraße in Hamburg, in der die unter­schiedlichsten lusti­gen Orte zu finden sind..."
     Für die um Sohn und Schwiegertochter erweiterte Familie muss nunmehr auch aus Kostengründen eine andere Unterkunft gesucht werden Der Eigentümer des Hauses Dorfstraße 5, der Arzt Dr. Breul, ist erkrankt, muss zur Kur fahren und vermietet so lange einen Teil seines Hauses.ses. Obwohl es etwas eng darin zugeht, wird die am 5. September bezogene Datscha als „wunderbar“ und „gemütlich“ geschildert.
     Gorki hat praktisch keine Fremdsprachenkenntnisse und ist für seine Korrespondenz mit Nichtrussen auf die Übersetzung durch M. Budberg angewiesen. Von Kontakten zu den Freiburgern ist in seinen Briefen nichts zu lesen, lediglich der in St. Petersburg gebürtige Gründer und langjährige Leiter des Russischen Chors der Universität, Alexander Kresling, verbringt nach seinen Erinnerungen im Herbst 1923 fast jeden Abend mit Gorki, es geht dabei auch um russische Volkslieder, und Gorki verblüfft durch seine musikalischen Kenntnisse und Fähigkeiten.
     Ein weiterer russischer Emigrant, der Philosoph Fedor Stepun wohnte damals ganz in der Nähe  als Gast des Philosophieprofessors Jonas Cohn im Weilersbacher Weg. Gorki erwähnt den Landsmann in seinen Briefen aber nur am Rande. Dafür reisen häufig russische Gäste an, der Hausherr läßt es sich nicht nehmen, selber am Herd für sie heimische Gerichte zu kochen, wie der amerikanische Journalist Barrett H. Clark berichtete, der im September 1923 für einige Tage in Günterstal war, um ein weiteres Interview mit dem Dichter zu führen. Gorki erwägt zu diesem Zeitpunkt, seinen Roman „Die Mutter“ verfilmen zu lassen, vielleicht könnte Clark dabei behilflich sein, den Film in Amerika zu verkaufen. Clarks Bericht weiter: Zwei Zwischenfälle hatten Gorki zuletzt verärgert: Vor drei Tagen war eine seiner wundervollen Perserkatzen böswillig von dem Sohn des Nachbarn, des Generals a.D. Klotz erschossen worden. Maxim junior hatte den Burschen schießen gesehen, die beiden begannen sich zu schlagen, „Moura“ konnte sie trennen. Nun drohte Gorki, den Missetäter umzubringen und ging mit einem Stock auf ihn los, schließlich gelang es, Gorki ins Haus zurückzubringen. General Klotz konnte konnte ihn schließlich dadurch besänftigen, dass er sich als Kenner und Bewunderer der Werke Gorkis auswies.
     Das zweite Ereignis: Die ganze Familie war in die Stadt ins Kino gegangen. Dort war ein Mann mit der Toilettenfrau in Streit geraten, schlug und trat sein Opfer, während die Umstehenden zuschauten. Gorki marschierte mitten in das Gedränge, und wieder konnte er nur mit Mühe daran gehindert werden den Angreifer zu verprügeln. Dem Deutschen fehle es an Männlichkeit, bemerkte Gorki zu dem Vorfall und ließ sich weiter über die Deutschen aus mit ihren kindischen Beschwerden, die er allmählich satt habe; der gegenwärtige wirtschaftliche und politische Umbruch beseitige rasch den dürftigen Schleier ihrer Zivilisiertheit und zeige das blöde Tier darunter.   
Günterstal, Dorfstraße 5, ca. 1930
     Mit Herbstbeginn beginnt sich die Situation in Deutschland für den Emigranten zu verdüstern. Daß einer seiner Kater vom Nachbarsohn erschossen wurde, ist für Gorki ein Zeichen der zunehmenden Gewaltbereitschaft in Deutschland; die politische Radikalisierung erinnert ihn an die Oktoberrevolution. „Überall um uns herum, angefangen in Freiburg, können es die Deutschen kaum erwarten, mit der Revolution zu beginnen (...)In Freiburg und den benachbarten Städten wurde der Ausnahmezustand erklärt“, „das Leben hier fängt an unruhig zu werden (mir allzu bekannt) und nimmt mir sehr bekannte (russische) Züge an: Arbeiter (auf deren Fahnen der Sowjetstern prangt) und Bauern werfen (in Lörrach) Granaten auf die Polizisten, die Polizei schießt zurück. Gestern war in Freiburg eine Versammlung, es haben sich zwanzigtausend Menschen versammelt und es wurde ein Generalstreik ausgerufen“. Während in Lörrach ein Demonstrant von der Polizei erschossen wird, geht es Freiburg zwar auch turbulent, aber harmloser zu. Gorki berichtet: „Neulich hat die Menge in Freiburg bei einer  großen Versammlung einem Polizisten in Zivil eine Tracht Prügel verpasst, danach hat man seine Wunden versorgt und ihn zur Polizeiwache begleitet. In Russland hätte man ihn wahrscheinlich umgebracht, keinesfalls hätte man ihm jedoch seine Wunden verpflastert, sehr wahrscheinlich hätte man sie ihm noch mit Salz eingerieben“.
     Im  Oktober 1923 hat sich die Lage in Freiburg wieder beruhigt, und Gorki schildert nochmals eine Idylle: „Wir (ich und Maxim) haben unseren deutschen Wirtsleuten den verwilderten Garten in Ordnung gebracht, gejätet und umgegraben. Morgens schreibe ich, M.I. (Budberg) übersetzt, die anderen malen, das Leben ist ruhig und geregelt”. Aber Gorkis Klagen über die Teuerung häufen sich (die Inflation steht zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höhepunk), und im November beschließt er unter dem Eindruck der wirtschaftlichen und politischen Instabilität Freiburg zu verlassen. Aber nun häuften sich Gorkis Klagen über die Teuerung (die Inflation stand zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höhepunkt), und im November beschloss er unter dem Eindruck der wirtschaftlichen und politischen Instabilität, Freiburg zu verlassen. In einem seiner letzten Briefe (vom 6.11. an R. Rolland) entwirft Gorki ein schonungsloses Porträt seines Gastlandes: „Das Leben hier wird immer härter und unangenehmer.  Der Staat der „Bürger” ist in Zersetzung begriffen und man bemerkt keine Kraft, die diese Zersetzung anhalten könnte. Die „Bürger” sind ausschließlich durch die Sorge in Anspruch genommen sich Dollars zu beschaffen. ... Die Intelligenz leidet Hunger und wendet sich in der Mehrzahl nach Bayern. Sie ist sehr seltsam, die hiesige Intelligenz, soweit ich es beurteilen kann: Ihr politischer Konservativismus scheint mir ebenso fratzenhaft wie ihr so krankhaft aufgeblasener  Nationalismus. Und Gorki führt als Beispiel einen sehr bekannten Philosophen, Husserl, an, der (in Offenburg) die Auffassung äußerte, die einzige ideale Staatsführung hätte Deutschland in den 1848er Jahren gehabt, „als im Parlament ein halbes hundert Professoren saßen”..
     Schon in St. Blasien war die Idee entstanden, wieder nach Italien zu ziehen. In Capri hatte er von 1906 bis 1913 sein erstes Exil verbracht. Jetzt jedoch zögerte Mussolinis Regierung die Erteilung der Visa hinaus, Gorki beschloss deshalb, zunächst über Berlin in die Tschechoslowakei zu fahren. Am 8.11. schrieb er erwartungsfroh „wir, tutta famiglia, begeben uns samt Büchern, Katzenjungen, Hunden und Papieren nach Berlin. Und das mit großem Vergnügen, da wir es mächtig satt sind, hier zu sein". Seinen Überdruss an Deutschland formuliert Gorki noch mehrfach: Am 25. 11: „Hier zu leben ist schwer und teuer. Die Deutschen sind ein sehr seltsames Volk! Ihre seelische Armut und Grobheit ist erstaunlich. Ihre politische Situation ist unglaublich mühsam, und ihre Geduld absolut bewundernswert. Und ich dachte, es gebe kein Volk, das geduldiger wäre als die Russen".
Gorki mit Sohn Maxim, Schwiegertochter Timoscha, M.I. Budberg und Freund Krjuschkov in Marienbad
     Im Dezember aus Marienbad ein letzter Rückblick: „Es wurde unerträglich in Deutschand zu leben. Die Kultur ist ein erstaunlich zerbrechliches und feines Ding, und es ist unheimlich zu beobachten, wie schnell sie sogar einem so disziplinierten und gedrillten Volk wie den Deutschen verlorengeht". Endlich erhält Gorki das Visum für Italien; die nächsten, als glücklich erlebten Jahre verbringt er in Sorrent, bis ihn das Heimweh 1928 zunächst zeitweise, vier Jahre später dann endgültig nach Russland zurückkehren läßt. Unterdessen hat sich seine Einstellung gegenüber dem Sowjetstaat tiefgreifend gewandelt, aus dem überaus kritischen Beobachter der Oktoberrevolution und der ersten Jahre der Sowjetrepublik wurde ein zunehmend enthusiastischer Parteigänger des Bolschewismus. Stalin machte sich diesen Gesinnungswandel zunutze, erhob den Heimgekehrten zu seinem Vorzeigedichter und überhäufte ihn mit Ehrungen bis hin zur Umbenennung der Geburtstadt Nischni-Nowgorod in Gorki. Zum Schluß bewohnte er eine luxuriöse Villa, in der er ständig vom Geheimdienst überwacht und von Besuchern abgeschottet wurde. Sein Sohn Maxim war 1934 vermutlich auf Befehl Stalins ermordet worden, und der Verdacht, daß auch Gorkis Tod zwei Jahre später von Stalin befohlen war, konnte nie völlig aus der Welt geschafft werden.
     Günterstal hat in Gorkis Werken (außer seinen Briefen) keine Spuren hinterlassen.  Wo die in den Jahren 1921 bis 1924 entstandenen Erzählungen genau verfasst wurden, lässt sich nicht exakt belegen. Günterstal kann aber in Anspruch nehmen, dass Gorki hier an seinem letzten vollendeten Roman, „Das Werk der Artamonows“ arbeitete.
     Die Übersetzerin Swetlana Geier, die seit 1944 in Günterstal wohnte, wusste sicherlich vom hiesigen Aufenthalt Gorkis. Sie sah aber keinen Anlass, sich näher mit ihm zu beschäftigen; ihr zufolge legitimierte sein Referat zur Eröffnung des Allunions-Schriftstellerkongresses 1934 die Verurteilung und Verfolgung vieler Künstler in den nächsten Jahrzehnten. Sie nahm den Text der Rede zwar in den Sammelband „Puschkin zu Ehren“ auf, übersetzte ihn aber im Gegensatz zu den anderen Beiträgen nicht selbst und ließ so ihre Distanz zu Text und Autor erkennen.
     Das Hotel Kyburg ist längst abgerissen, das Haus Nr. 5 in der Dorfstraße ist dagegen erhalten geblieben und in der letzten Zeit aufwendig renoviert worden.  Aber nichts deutet darauf hin, dass im Jahr 1923 Maxim Gorki darin gewohnt hat. An ihn erinnert in Freiburg lediglich ein Straßenschild – freilich im Stadtteil Rieselfeld, sieben Kilometer entfernt von seiner damaligen „Datscha”.

Günterstal, Dorfstraße 5, 2012
Klaus Hockenjos
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