Exotische Bäume im Günterstäler Wald - das Arboretum

„Freiburg, Stadt des Waldes, des Weins und der Gotik”: In Günterstal wachsen im Gegen­satz zu früheren Jahrhunderten zwar keine Reben mehr, und auch Gotisches sucht man im Bohrertal vergebens. Aber dafür hat unser Stadtteil mehr an Wald zu bieten als alle ande­ren, nur der Ortsteil Kappel dürfte eine ähnliche Waldfläche aufweisen. Der Freiburger Stadtwald zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: Im Mooswald regieren die Eichen, in den Bergwäldern Nadelbäume und Buchen. Wer aber auf einer der Anfang des letzten Jahrhun­derts angelegten großzügigen Waldfahrstraßen spaziert, joggt oder sie per Bike befährt, der kann um Günterstal ins Staunen geraten, wenn er im Frühjahr Blüten entdeckt, wie sie im deutschen Wald sonst fast nirgends zu finden sind. 
Magnolia x brooklynensis
Magnolia x brooklynensis
Sie kennzeichnen die Magnolien, die zu den auffallendsten Baumarten im Ar­boretum Günterstal gehören. „Arboretum” (von „Arbor”, lateinisch „Baum”) lässt sich am einfachsten als Sammlung von Bäumen übersetzen, die von Natur aus nicht in unserer Gegend vorkommem, also aus fremden Ländern und Zonen stammen. Nicht alle fallen so ins Auge wie die Magnolien, man muss manchmal schon genau hinschauen, um zu bemer­ken, dass dieser Baum oder Strauch sich im Detail von einem ähnlichen einheimischen Ge­wächs unterscheidet. Auf den Täfelchen ist die Herkunft angegeben, oft klärt uns ein deut­scher Name über die spezielle Art auf, aber häufig findet sich nur ein lateinischer Name, der unterstreicht, dass hier ein fremdländisches Gewächs gedeiht, das bislang noch keinen allge­meinverständlichen Namen gefunden hat. 
Mahonia lomariifolia (Heimat Yunnan, Burma)
Mahonia lomariifolia (Heimat Yunnan, Burma)
Die Besonderheit des Günterstäler Arboretums ist nun, dass es sich um keine Baumsammlung in der Art eines botanischen Gar­tens handelt, sondern dass die (zumeist) fremdländischen Arten hier parkartig in einen längst vorhandenen einheimischen Wald integriert werden. Dies macht auch den Unterschied zum Arboretum Liliental aus, das auf einer bis dahin landwirtschaft­lich genutzten Fläche entstanden ist. An den beiden Standorten herrschen unter­schiedliche Bodenverhältnisse, die dementsprechend unter­schiedlichen Pflanzenansprüchen entgegenkommen.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Freiburger Stadtwald damit begonnen, ausländische Baumarten auf ihre Tauglichkeit in unserem Klima zu testen, wobei sich die aus Nordamerika stammende Douglasie als Erfolgsmodell herausstellte, die mit ihrer Wachstumsrate die hiesigen Fichten und Weißtannen übertrifft, wie es Waltraut, der mittlerweile höchste Baum Deutschlands illustriert. Der Anteil der Douglasie am Freiburger Stadtwald liegt (in den Berglagen) mit 19% höher als derjenige der Weißtanne und fast gleichauf mit dem der Fichte, als Exotin kann sie also kaum mehr gelten.
Ebenfalls vor über 100 Jahren entstand als Vorläufer unseres Arboretums um den Bernshof ein Park mit fremdländischen Nadelholzarten, von denen noch immer z.B. Mammutbäume und eine Libanonzeder erhalten sind. Auch im Stadtwald Günterstal kamen im Lauf der Jahrzehnte neue ausländische Baumarten hinzu, aber erst der damalige Revierförster H. Nimsch begann 1960 in eigener Initiative damit, planmäßig durch Ankauf von Pflanzen und Saatgut das Spektrum an Baum- und Straucharten zu erweitern. Der junge Förster war schon früh von fremden Waldbildern und Baumindividuen fasziniert gewesen; die Artenvielfalt der amerikanischen Westküste war nun für ihn ein Vorbild für das, was schließlich erst 1989 offiziell von Bürgermeister Seeh als Arboretum Günterstal eingeweiht wurde und seither auch von der forstlichen Fakultät und der benachbarten Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) gefördert und genützt wird. Wichtigste Aufgabe des Arboretums, so betont Nimsch, ist die Arterhaltung (nach IUCN= „International Union for Conservation of Nature”) und Erhaltung der Vielfalt von heimischen und nicht heimischen Baumarten. 
Speierling (Sorbus domestica, Heimat südl. Deutschland, submediterran)
Speierling (Sorbus domestica, Heimat südl. Deutschland, submediterran)
Auf beiden Talseiten nimmt das Arboretum eine Fläche von ca. 100 Hektar ein und ist durch Wege gut erschlossen; allerdings sind nicht alle Raritäten entlang der Wege aufgereiht, und nicht jeder Baum ist gekennzeichnet. H. Nimsch, der trotz seines Ruhestands noch immer „sein” Arboretum betreut, kann von Pflanzen-„liebhabern” berichten, die sich nicht davon abhalten ließen, ihren Lieblingsbaum als Setzling auszugraben. 
Lageplan des Arboretums mit Themenpfaden
Lageplan des Arboretums mit Themenpfaden
Unter den ca. 1000 Baum- und Straucharten haben die Anforderungen an den Standort zu einzelnen Schwerpunkten geführt, an denen sich die eine oder andere Gattung besonders wohl fühlt und die besten Entwicklungsmöglichkeiten hat. So haben die Mammutbäume zwar noch lange nicht die gigantischen Dimensionen erreicht wie in ihrem Herkunftsland, der nordamerikanischen Westküste, aber im Marxendobel, oberhalb der Waldfahrstraße Kyburg - Lorettoberg, ist mittlerweile ein ganzes Wäldchen dieser „Sequoien” herangewachsen. Bereits 1973 hatte Nimsch vorgeschlagen einen Bestand von Mammutbäumen zu gründen, hatte aber dafür keinen Rückhalt gefunden. Da kam ein Lieblingsprojekt des damaligen Bürgermeisters Zens zu Hilfe, der den Stadtteil Weingarten großzügig mit Sequoien versorgen ließ; die vom Gartenamt nachgezogenen, überzähligen Bäumchen fanden in H. Nimsch einen dankbaren Abnehmer. Um Monotonie bzw. Monokultur zu vermeiden, sind den Mammutbäumen übrigens die gleichen Baumarten beigesellt, die auch in der amerikanischen Heimat ein Ensemble mit den Riesenbäumen bilden.
Auch die Magnolien haben ihren Schwerpunkt, das Magnolien-Tal unterhalb der Waldfahrstraße Wasserschlössle - Kyburg, von der aus man (im Frühjahr) den besten Blick auf die Blüten hat. Und ganz in der Nähe sind die Immergrünen platziert. Hier weist eine Tafel auf die Sehenswürdigkeit hin, andere Tafeln erläutern zum Beispiel am Liobaweg die Heilwirkungen der dortigen medizinisch nutzbaren Pflanzen, und nicht weit vom Parkplatz Silberdobel weist eine Tafel auf die dort angepflanzten Baumarten (zum Beispiel den Gingkobaum) hin, aus denen in der Vorzeit die Braunkohle entstand - allerdings (zum Glück!) nicht im Freiburger Raum.
Hinweistafel am Parkplatz Silberdobel
Hinweistafel am Parkplatz Silberdobel
Eine Nadelbaumart liegt H. Nimsch besonders am Herzen. Es sind die Tannen, die natürlich auch mit ihrer einheimischen Varietät im Arboretum vertreten ist, daneben aber im „Abietum” mit 25 weiteren Arten aus aller Welt, so zum Beispiel mit der andalusischen Pinsapo-Tanne, die man in Südspanien lediglich in Begleitung von Rangern besichtigen darf. Eine andere Tannenart ist in Sizilien sogar vom Aussterben bedroht, hier dient die Nachzucht aus Stecklingen der Arterhaltung. Das Abietum ist leicht vom Rehhagweg oder vom Parkplatz unterhalb St. Valentin aus zu erreichen, einer der fünf Themenpfade führt hindurch. Die anderen Pfade sind den „nordamerikanischen Baumarten”, den „Heilpflanzen”, „einheimischen Baumarten” und den „Baumarten aus aller Welt” gewidmet. 
Pinus aristata (Grannenkiefer, Heimat Südwest-USA,)
Pinus aristata (Grannenkiefer, Heimat Südwest-USA,)
Wer das Arboretum unterstützen möchte, kann Mitglied im 2005 gegründeten Verein „Freunde des Stadtwald-Arboretums Günterstal e.V.” werden. Eines der Ziele des Vereins ist es, den Baumbestand des Arboretums zu erhalten auf der Basis der seit 2001 vorliegenden satellitengestützten Kartierung. Gelegentlich sind im Arboretum Pflegearbeiten erforderlich - Nimsch ist froh, dazu auf aktive Mitglieder zurückgreifen zu können.
H. Nimsch, der sich im Ruhestand nun ganz der Dendrologie (Baumwissenschaft) widmen kann, denkt überhaupt nicht daran, sein Engagement für „sein” Arboretum allmählich zurückzufahren. Was treibt ihn dazu an, so unermüdlich weiter für die Raritäten zu sorgen und den stolzen Bestand noch immer um neue, teilweise im St. Ulricher Gewächshaus herangezogene Pflanzen zu erweitern und zu bereichern? Er nennt sein Motiv: Es ist eine ungeminderte Neugierde: Wie verhalten sich die im Arboretum angesiedelten Baumarten unter den hiesigen Verhältnissen, und wie werden sich die neu hinzukommenden Exemplare entwickeln? Seine Favoriten im Günterstäler Wald, die „Redwoods”, also die Mammutbäume, haben ihn bisher nicht enttäuscht, er ist sich sicher, dass sie in hundert Jahren einmal aus dem Gröbsten heraus sind. Ob sie allerdings dereinst ebenso ein Alter von 3000 Jahren und eine Höhe über hundert Meter erreichen werden wie daheim an der Pazifik­küste?

Fotos: H. Nimsch

K.H.

Das Stadtwald-Arboretum

(Herausgegeber: Stadt Freiburg i. Brsg.- Städtisches Forstamt)
Freiburg Webdesign - Heusser Datendesign