Günterstäler Straßen- und Flurnamen

Manche Straßen- und Flurnamen in Günterstal bedürfen keiner Erklärung, andere dagegen leuchten nicht ohne Weiteres ein, und während das Freiburger Adressbuch bis 1970 noch eine Erläuterung sämtlicher Straßennamen bot, dürfte sich selbst mancher Günterstäler fragen, was nun diese oder jene Bezeichnung bedeutet.

Die Namen der Schauinsland- und Horbener Straße verstehen sich von selbst. Die heutige Dorfstraße war früher ein namenloser Feldweg, der zum „oberen” oder”hinteren” Tor führte. Als Straße ausgebaut hieß sie dann „Schauinslandstraße“, bis die neue Straße auf der anderen Seite des Bohrerbachs diesen Namen erhielt. Die Kybfelsenstraße war früher die Durchgangsstraße für die Dorfbewohner, die den Klosterhof nicht überqueren durften.
Warum der Wiesenweg so heißt, ist noch immer leicht zu verstehen. Wäre es nach der Stadtplanung gegangen, dann wäre diese Straße jetzt beidseitig bebaut, und man hätte keinen Ausblick auf die Günterstäler Wiesen mehr: Östlich der Schauinslandstraße die Mathiasmatte (früher Mathismatte), die nach der St. Mathiskapelle benannt wurde. Diese lag (laut E. Dreher) zwischen Wiesenweg, der Straße nach Freiburg u. der Riedbergstraße; sie wurde im 19. Jahrhundert zuerst umgewidmet und dann abgerissen. Westlich der Schauinslandstraße liegt die Breitmatte .

Die Bezeichnung „Im Entengarten” stößt schon eher auf Unverständnis: Dort lag früher der Geflügelhof des Günterstäler Klosters. Auch die Hirschstraße deutet auf vergangene Zeiten hin, sie wurde nach dem gleichnamigen Gasthaus benannt, das später den Namen „Dionysos” erhielt und dessen Abriss lebhaften Widerstand bei den Günterstälern auslöste.
Der frühere Namen der Straße : „Fauler Pelz” lässt sich nicht mehr ohne Weiteres erklären, die Umbenennung ist jedenfalls gut nachvollziehbar...

Alte Straßennamen rühren häufig von Flurnamen her. Dazu zählt zum Beispiel die Spitzackerstraße. Sie führt vom Torplatz ein wenig krumm zur Riedbergstraße und endet gegenüber dem Eingang des Klosters St. Lioba. Vor dessen Erbauung lag hier das Gewann „Spitzmatten”, ein „Spitzacker” ist allerdings streng genommen nicht bekannt. Und wie verhält es sich mit dem „Riedberg”? Die nach ihm benannte Straße führt jedenfalls keineswegs dorthin, nämlich zu dem Gelände am Rehhagweg, wo die Riedbergklinik später erbaut wurde. Aber der Stadtplan von 1920 zeigt: Es bestand damals der Plan, die Riedbergstraße eines Tages bis zur Rehhagstraße und damit tatsächlich bis zum „Riedberg” zu verlängern, dessen Namen auf „Reute“, also gerodetes Gelände zurückzuführen ist.

Der „Rehhag” allerdings wird gleichfalls nicht von dem gleichnamigen Weg erreicht, er entspricht einem Gewann im Wald südlich von St. Valentin (wohin man allerdings zu Fuß über den Rehhagweg gelangen kann, der freilich eine rekordverdächtige Steilheit erreicht).

Jenseits des Maienbachs (dessen Name nur wenigen geläufig sein dürfte) steigt der Weilersbachweg bergan, er zielt einigermaßen genau auf den „Weilersbachdobel” hin, der unterhalb des Kybfelsens liegt.

Ähnlich verhält es sich mit der Valentinstraße, der Name dürfte schon manchen Autofahrer zur Verzweiflung geführt haben. der nicht ganz abwegig der Meinung war, hier direkt zur Wirtschaft zu gelangen. Aber natürlich ist die Straße nicht nach dem Wirtshaus benannt, sondern nach der ehemaligen Einsiedelei am gleichen Platz. Und zu Fuß kann man auch von der Valentinsstraße aus zum angetrebten Ziel gelangen.
Die Reutestraße hat ihren Namen vom oberhalb gelegenen Gewann „Reutacker” oder „Reuteäcker”; offenbar war hier einmal der Wald zu Gunsten von neuem Ackerland gerodet worden und hat sich seither wieder sein Gebiet zurückerobert. Ein Flurstück ähnlichen Namens, die „Obere Reute“ liegt am Steilhang oberhalb der Hirschstraße. Der dortige Marxendobel ist eigentlich ein „Markusdobel“.

Eine der Straßen, die en, die ihren Namen von einem Gewann ableiten, ist „Im Vogelsang”. Die Deutung des Flurnamens ist unklar: Laut K. GROLL (Günterstal, Bd.1, Freiburg 2013, S. 416) kann es sich um einen Ort handeln, wo Vogelfang betrieben wurde, oder aber auch um einen Hackwald, der periodisch zu Gabholz gehauen wurde.

Der Leimeweg, ein Stück weiter südlich, erinnert lt. Adressbuch an das Gewann „Leime”, allerdings ist lediglich eine mit „Leimgruben” ähnlich lautende Gewannbezeichnung am oberen Ende der Valentinsstraße bekannt.
Günterstäler Flurnamen
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)

Neueren Datums sind die Straßenbezeichnungen nach herausragenden Persönlichkeiten, so der Maximilian-Kolbe-Weg, nach Pater M. Kolbe benannt, der im KZ Auschwitz den Platz eines Mithäftlings einnahm und dort umgebracht wurde. Der Name der Kuenzer-Steige bezieht sich auf das „alteingesessene Freiburger Geschlecht K. und den Inhaber der ehemaligen Zichorie- und Sektfabrik” (Adressbuch Stadt Freiburg 1970). Die jüngste Straßenbenennung ehrt Swetlana Geier, die langjährige Günterstäler Mitbürgerin und Übersetzerin insbesondere der Romane F. Dostojewskijs.

Und der Matthiasweg: Mit seine gerade 23 Metern Länge wird er allzu leicht übersehen, so auch von den Zeichnern des aktuellen Freiburger Stadtplans. Von der Dorfstraße führt er in die Kybfelsenstraße und ist nach der Matthias-Claudius-Kapelle benannt. Dass man das „Claudius” an seinem Namen weggelassen hat anstelle des Vornamens, mag verstehen, wer will. Auch der evangelischen Kapelle ist im alten Adressbuch dieses Schicksal widerfahren - möglicherweise liegt eine Verwechslung mit der St. Mathiaskapelle vor, die bis zum 19. Jahrhundert den nicht zum Kloster gehörigen Gläubigen diente und der eingangs erwähnten Mathiasmatte ihren Namen verlieh.
K.H.
Freiburg Webdesign - Heusser Datendesign