Die Trinkwasserversorgung Günterstals

Gut einen Kilometer oberhalb Günterstal steht an der Schauinslandstraße ein freundliches Gebäude in neubarockem Stil. Eine Inschrift lässt erkennen, dass es sich um ein Gebäude der städtischen Wasserversorgung handelt. Ein Wasserreservoir, denkt man sich und stellt sich darunter eine Art Brunnenstube, also eine Art überdimensionaler Wanne vor. In einer Broschüre der Badenova wird das Gebäude allerdings als „Wasserwerk” bezeichnet, das löste die Neugier des Ortsvereins aus, und die Badenova erklärte sich im Mai sofort dazu bereit, die Günterstäler Interessierten durch das „Wasserwerk” zu führen.
Frau Schweickhardt, für die „Unternehmenskommunikation” der Badenova zuständig und der Wassermeister, Herr Engler, empfangen bei vorsommerlichem Wetter die Wissbegierigen, die nun eine fremde, hochtechnische Welt kennenlernen.
Im Wasserwerk (Foto: Engler)
Es ist kühl im Inneren, und der erste Eindruck ist der einer geradezu „klinischen” Sauberkeit. Herr Engler berichtet vor dem Hintergrund der Rohre und Messinstrumente von der Geschichte der Günterstäler Wasserversorgung: Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Nutzung der Quellen am Schauinsland begonnen, Ausgang des 20. Jahrhunderts entstand unser Wasserwerk, und mit den Anpassungen an die jeweils neuesten technischen Anforderungen entstand in dem äußerlich praktisch unveränderten Gebäude eine hochmoderne Wasserversorgungsanlage. Aus insgesamt 40 Quellen sammeln sich hier stündlich im Durchschnitt 3000 Liter Quellwasser und werden aufbereitet. Dazu dient zunächst eine Ultrafiltrationsanlage, die Sand, Gesteinspartikel und mikrobiologische Verunreinigungen zurückhält. Wegen des im Quellwasser hohen Anteils an Kohlensäure ist eine „Entsäuerung” durch einen Jurakalkfilter erforderlich, durch die Neutralisation der aggressiven Kohlensäure (Kalk-Kohlensäuregleichgewicht) werden Korrosionsschäden an den Günterstäler Wasserleitungen vermieden. Schließlich sammelt sich das aufbereitete Wasser in zwei Kammern, muss dann noch eine Druckerhöhungsanlage in der Dorfstraße passieren, um über den Hochbehälter Reuteacker auch die höheren Lagen des Ortsteils erreichen zu können.
Verteilerschema Wasserwerk Günterstal
Beeindruckt und der Badenova dankbar für die informative Führung tritt die Gruppe der Wissbegierigen wieder ins Freie, der Berichterstatter hat noch die Zusage erhalten, ergänzend später noch näher an eine der Quellen im Bohrertal heranzukommen.
Quellen am Schauinsland
Diesmal gießt es in Strömen, was demonstriert, wem eigentlich das Wasser zu verdanken ist - dem Regen nämlich, ohne den alle 40 Quellen am Schauinsland nutzlos wären. Die Ziegen auf der Wiese an der Oberen Bohrermühle schauen verwundert auf die Männer, die sich bei diesem Wetter an den dortigen Brunnenstuben zu schaffen machen, in die das Quellwasser fließt. Die älteste stammt noch aus dem Jahr 1906 und ist leicht zu begehen, die anderen sind enge Schächte und neuerdings mit Kunststoff ausgekleidet. Es geht um die monatliche Kontrolle der Wasserqualität, die hier oben noch nicht automatisch erfolgt. Also wird die Ausschüttung der Quelle mittels Gefäß und Stoppuhr gemessen, ebenso der pH-Wert und die elektrische Leitfähigkeit des Wassers. Eine Wasserprobe wird noch für das zuständige Institut entnommen. Alle monatlichen Untersuchungen bestätigen, was die Günterstäler längst wissen: Ihr Wasser ist von allerbester Qualität, messtechnisch ergibt sich mit 6 ml/l der niedrigste Nitratgehalt der vier Quellgebiete Dreisamtal, Günterstal, Kappel und westlich der Güterbahn, wo er bei 23 mg/l liegt; Kein Wunder, da in unserem Quellgebiet kein Dünger zum Einsatz kommt. Den Weichheitsgrad können die Günterstäler Nassrasierer schon längst selber abschätzen: Es braucht bei uns nur einen Bruchteil an Rasiercreme, verglichen mit der Menge, die in einer Ortschaft z.B. der Schwäbischen Alb erforderlich ist, um einen ordentlichen Schaum zu erzeugen. Nur im Versorgungsbereich westlich der Güterbahn ist der Härtegrad mit 2,24 mmol/l als „mittel” zu bezeichnen.

Kurzum: Warum das Günterstäler Trinkwasser selbst im heißesten Sommer wunderbar kühl aus der Leitung kommt, ist uns jetzt klar geworden; dazu haben wir gelernt, dass die Badenova (oder wie es seit neuestem heißt, ihre Tochter „bnNetze”) penibel die strengen Qualitätsanforderungen erfüllt. Und ist es nicht so, dass uns jedes Lebensmittel, also auch das Trinkwasser, noch besser schmeckt, wenn wir nun genau wissen, wo es her kommt und wie sorgfältig mit ihm umgegangen wird?

K. H.
Freiburg Webdesign - Heusser Datendesign