Tagesfahrt am 25.09.2021 nach St. Gallen

Unsere Tagesfahrt musste aufgrund der Corona-Pandemie mehrmals verschoben werden. Nun, am 25.09.2021 klappte es endlich.


Im Reisebus der Firma Hummel ging es in die Schweiz nach St. Gallen, dessen Ursprünge bis ins 7. Jahrhundert zurückgehen. Der Ort entstand ca. 720 auf dem Gebiet einer Einsiedelei des Klosters St. Gallen. Die Gründungslegende um den Heiligen Gallus ist auf 612 datiert. Im Jahre 719 übernahm der alemannische Priester Otmar die lose Eremitensiedlung und bildete daraus eine Klostergemeinschaft nach den Regeln Benedikts, die Abtei St. Gallen.


Der Himmel zeigte sich von seiner besten Seite, als wir die grandiose Benediktiner-Klosteranlage vor uns sahen mit der mächtig emporragenden barocken Stiftskirche und Kathedrale (eigentlich nach ihren Begründern Stiftskirche St. Gallus und Otmar). Errichtet wurde sie zwischen 1755 bis 1766, 1847 wurde sie Kathedrale des Bistums St. Gallen. Die Kathedrale ist zusammen mit dem Stiftsbezirk Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Sie ist ein Ort des Gebetes und der Stille.


Fasziniert waren wir auch vom Innenbereich des Gebäudes, das eine Kuppel mit Darstellung der Göttlichen Dreifaltigkeit aufweist. In verschiedenen Ebenen kann man dort die Heiligen entsprechend der Seligpreisungen finden, ein Sinnbild der Fürbitte für die Glaubenden. Zu bewundern gab es auch das ehemalige Mönchs-Chorgestühl mit wunderbaren Intarsien und  Holzschnitzereien mit einem Bilderzyklus aus dem Leben des heiligen Benedikts. Besonders sind auch die Beichtstühle mit mit biblischen Szenen als Reliefschnitzereien und die eigens für die Stiftskirche hergestellten Fresken, die aus der Wand ragen und einen bläulich-grauen Schimmer haben.
Der Begründer, der irische Mönch St. Gallus wurde in der Gallus-Krypta der Stiftskirche beigesetzt. Die Gebeine Otmars findet man in der Otmar-Krypta, wo auch die Grabstätten der St. Galler Bischöfe sind. Weiter ging es zur Stiftsbibliothek St. Gallen (gegründet spätestens seit 719), eine der historisch bedeutendsten Bibliotheken der Welt. Sie ist die einzige der großen frühmittelalterlichen Klosterbibliotheken, deren ausgezeichneter Bestand vom 8. Jahrhundert bis heute noch vorhanden ist. Es gab 2100 Handschriften, 1650 Druckwerke bis 1500 und Frühdrucke von 1501 bis 1520 zu bewundern. Insgesamt sind es 170.000 Bücher und andere Medien.
In Filzpantoffeln folgten wir Herrn Kalchthaler auf den ornamentierten Intarsienböden des überwältigend schönen Barocksaals; er machte uns auf die verschiedenen Themen aufmerksam. Sein Vortrag und sein immenses Wissen ließen befürchten, dass man ihn uns abwerben wollte. Die kostbaren Folianten befanden sich in Bücherregalen wie Arzneien in einem Apothekerschrank und galten als „Balsam für die Seele“. Deshalb steht auch über dem Eingangsportal in griechischen Buchstaben „Seelenapotheke“.
Die ab 1755 errichtete Bibliothek im Rokokostil ist Teil des St. Galler Stiftsbezirks.1983 wurde sie in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen und ist heute eine der zehn Welterbe-Stätten der Schweiz.
Ein Besuch des Ausstellungssaals des Stiftsarchiv lohnt ebenfalls. Dort haben wir durch den begeisterten Vortrag des Leiters des Stiftarchivs, Herrn Peter Erhart Interessantes über die weltlichen und kirchlichen Rechtsdokumente und Verwaltungsakte der Abtei St. Gallen von ca. 720 bis zur Aufhebung 1805 erfahren. Für uns Günterstäler_innen und Günterstäler war die Mitteilung bedeutend, dass aus einer Urkunde die Begründung von Günterstal auf das Jahr 801 und nicht wie bisher angenommen auf 804 basiert. Eine tolle Neuigkeit ! Die auf Pergament festgehaltene Dokumentation einer Grundstückübergabe an das Kloster St. Gallen hat natürlich sehr unser Interesse geweckt.
Nach all dem Wissenswerten hatten wir eine Pause verdient. Wer wollte, konnte eine St.Galler-Bratwurst genießen. Manch einer hatte auch zu schlucken, als man fürs Essen mit Getränken stolze 45,-- Sfr. pro Person bezahlen musste. Aber immerhin, wir wurden sehr freundlich und zuvorkommend bedient.


Ein Spaziergang durch den historischen Altstadtkern mit herrlichen Fachwerkhäusern rundete unsere Tour ab. Bis zur Rückfahrt nach Freiburg konnten wir Kaffee und Kuchen oder ein „St. Galler Glace“ (etwas preisgünstiger) genießen.
St. Gallen mit seiner charmanten Altstadt und seinen historischen Stätten ist ein Besuch wert. Vielleicht hat es Sie neugierig gemacht und Sie setzen es auf Ihre künftige Reiseagenda ? Herrn Kalchthaler, der uns ausführlich über die Geschichte St. Gallens informierte und der die Führung in der Stiftskirche und der Bibliothek übernahm, ein herzliches Dankeschön. Bedanken möchten wir uns auch beim Busfahrer für die angenehme Busfahrt und bei Herrn Stalter, Ortsverein Günterstal e.V. für die geduldige Planung und Durchführung der Tour.

Angelika Müller, Ortsverein Günterstal e.V.
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