Die Burg auf dem Kybfelsen bei Freiburg i.Br.

eine frühe Burg der Zähringer?


Ein Diskussionsbeitrag zur südwestdeutschen Landesgeschichte

Von
Heiko Wagner
Wanderer und Mountainbiker erklimmen vor allem an Wochenenden die Anhöhe Kybfelsen (um 810-820 m ü.NN), weit oberhalb der Stadt Freiburg. Dort erreichen sie eine Felsplattform mit einem weiten Ausblick auf Günterstal, den Schönberg und weit hinaus in die Oberrheinebene. Nur den wenigsten dürfte bewusst sein, an der Stelle einer hochmittelalterlichen Burg zu stehen. Im Rahmen der neuen Beschäftigung mit den Zähringern anlässlich diverser Jubiläen (ihrem Aussterben 1218 und der Marktgründung von Freiburg 1120) bietet sich die Gelegenheit, die Ergebnisse der Geländeforschungen der letzten Jahrzehnte darzustellen und ihre mögliche historische Bedeutung zu diskutieren.1

Nur eine legendäre Überlieferung

Die geringe Bekanntheit der Burg auf dem Kybfelsen liegt schon in der Quellenlage begründet. Zeitgenössische historische Nennungen aus der Zeit ihres Bestehens fehlen völlig. Erst Mathias von Neuenburg wies in der Mitte des 14. Jahrhunderts auf die Burg hin und verknüpfte sie mit einer merkwürdigen Geschichte. Das Grafengeschlecht der Kyburger (in der Schweiz) habe ursprünglich im Breisgau geherrscht. Der Herzog von Zähringen, Schwager des Kyburgers, wollte vom Grafen die Erlaubnis, auf dem gegenüberliegenden Berg (wo die Burg Freiburg sich befindet) ein Jagdschloss zu bauen. Die Frau des Kyburgers befürchtete, ihr Bruder (der Herzog) wolle sie durch diesen Bau aus dem Land jagen – was auch bald geschah. Soweit die Legende, die aus einer Hausüberlieferung der Kyburger stammen könnte (?). Vielleicht wurde aufgrund eines vorhandenen Berg-/Burgnamens eine Beziehung zu den Kyburgern in der Schweiz konstruiert. Im späten 13. und besonders im 14. Jahrhundert bestand außerdem ein Interesse der mit den Kyburgern verwandten Habsburger, ältere Rechte im Breisgau zu behaupten bzw. geltend zu machen. Rudolf von Habsburg hielt sich 1281 im Breisgau auf und Freiburg fiel 1368 schließlich an die Habsburger. Die Kyburger-Geschichte des Mathias von Neuenburg könnte sich daher in die Bemühungen der Habsburger einreihen, sich im Breisgau auch im Sinne einer Tradition zu verankern.2
     Darüber hinaus existiert eine von den Zisterzienserinnen im Kloster Günterstal tradierte Überlieferung, die aber erst im 18. Jahrhundert schriftlich fixiert wurde. Der Edle Günther von der Burg Kibenfelsen habe keinen Sohn gehabt und daher 1221 das Kloster für seine Töchter Adelheid und Bertha eingerichtet. Der Namen dieses Adligen erscheint legendär und aus dem älteren Ortsnamen heraus entwickelt. Jedoch sind in diese Gründungslegende einige Fakten eingewoben, die urkundlich belegt sind und im Kloster über die Jahrhunderte hinweg immer bekannt waren. So gab es im 13. Jahrhundert eine Äbtissin Adelheid, und auch der Zeithorizont würde stimmen. Im Jahre 1224 weihte der Bischof von Konstanz, Conrad von Tegerfeld, „einen Altar in der unvollendeten Kapelle“ und weitere Bauteile.3 Dennoch ist dieser Quelle insgesamt eine geringe Glaubwürdigkeit für die Vorgänge im 13. Jahrhundert zuzumessen.
    Das Günterstaler Urbar nennt 1344 Holz (d.h. Wald) im oberen und niederen Burggraben, dem heutigen „Birkgraben“, einem natürlichen Tälchen; diese Nennung hat demnach den Charakter eines Flurnamens und setzt daher das gleichzeitige Bestehen einer Burg nicht voraus.4 Im Jahre 1484 nennt schließlich das Weistum der Ortschaft Kappel bei einer Wegbeschreibung erstmals die Kyburg.5 Zu den späteren Nennungen des Kybfelsens und seiner verschiedenen Namensformen auf den Karten zwischen 1608 und 1794 bietet Kantorowicz eine Liste.6 Auffällig ist immerhin, dass das kurz vor 1224 gegründete Kloster Günterstal offenbar von dem ehemaligen Burggut (der Burggemarkung) profitierte und den Wald am Hang bis hinauf zum Bergkamm (zur Burg) erhielt. Aus diesem Grunde verlief später – bis heute – die Gemarkungsgrenze von Günterstal zu Kappel durch die Burgstelle hindurch. Leider ist die Geschichte der Gründung und Ausstattung des Klosters Günterstal mit Ländereien nur legendär überliefert, erst die oben genannte Altarweihe im Jahr 1224 ist urkundlich fassbar.
     Ein kurzer Blick auf die andere Seite des Bergrückens: Bereits Bernhard Mangei fiel auf, dass aus dem von ihm angenommenen Königsgutkomplex marca Zardunensis schon früh Kappel abgetrennt und mit einer eigenen Kirche versehen wurde (1272 erstmals genannt).7 Ob die Loslösung von Kappel (und Umgebung) aus dem Mark-Bezirk schon im Frühmittelalter oder erst im 10./11. Jahrhundert erfolgte, bleibt unklar. Die Erbauung der Burg auf dem Kybfelsen scheint diese Abtrennung zur Voraussetzung gehabt haben. Ausgehend vom südwestlichen Rand der marca Zardunensis könnte hier der Aufbau einer Herrschaft verfolgt worden sein.

Diskussionen um die ehemaligen Erbauer und Besitzer der Burg

In der älteren Literatur werden – ohne genauere Begründung – als Erbauer der Burg die Herren von Horben oder von Wolfenweiler verdächtigt.8 Auch der Verfasser selbst hatte diese Familiennamen damals unkritisch aus der älteren Literatur übernommen.9 Die Herren von Horben tauchen als von Horwe (oder in ähnlichen Namensformen) in einigen zähringischen Urkunden als Zeugen auf. Sie werden jedoch von der neueren historischen Forschung auf Horb am Neckar bezogen, wo die Zähringer ebenfalls über Rechte verfügten.10
     Die Herren von Wolfenweiler – offenbar alte Edelfreie und mit den Nimburgern verwandt oder verschwägert – werden ebenfalls als Bauherren der Burg auf dem Kybfelsen verdächtigt. Sie sind seit 1094 vor allem als Urkundenzeugen in unterschiedlichen Zusammenhängen fassbar.11 Es ist denkbar, dass sie in Wolfenweiler eine Burg (vielleicht eine Motte) oder einen Herrenhof besaßen. Ein Bezug zum Kybfelsen deutet sich in den Quellen nirgendwo an; die Ursprungsgemarkung ist jedenfalls weit entfernt und macht einen Zusammenhang wenig wahrscheinlich, auch wenn solche Verlagerungen des Sitzes durchaus vorkommen. Immerhin ist von den Herren von Wolfenweiler Besitz in Günterstal nachgewiesen, der im früheren 12. Jahrhundert von einem Hermann an das Kloster St. Peter geschenkt wurde.
    Auch die – zumindest gesprächsweise geäußerten12 – Herren von Tengen (aus dem Hegau stammend) sind als Erbauer der Burg eher zweifelhaft. Es existieren über sie nur wenige Schriftquellen, die auf Aktivitäten in Oberried (Dreisamtal) bis 1237 hinweisen.13 Der in der Zeugenliste der Altarweihung des Klosters Günterstal im Jahre 1224 auftretende Tengener könnte auch zum Gefolge des Konstanzer Bischofs gehört haben, er könnte Angrenzer gewesen sein oder etwa als Vertreter für das Kloster St. Gallen an der Beurkundung teilgenommen haben. Das Kloster St. Gallen scheint jedenfalls später – im Gegensatz etwa zur Burg Wiesneck – keine Lehenshoheit über den Kybfelsen beansprucht zu haben, die auf die Tengener hätte zurückgehen können.
     Insgesamt ist die Suche nach Ministerialen als Besitzer der Burg in den historischen Quellen unbefriedigend.
    Für die weitverzweigte noble Familie der Hessonen, die weithin begütert war und im Breisgau einige Burgen besaß (und damit theoretisch auch in Frage käme), gibt es im Bereich um den Kybfelsen herum bisher keine Hinweise – was jedoch auch der schlechten Quellenlage geschuldet sein kann.
     Da die Diskussionen aufgrund der schwierigen Quellenlage zunächst nicht weiterführten, soll nun versucht werden, der Burg vor Ort und aufgrund ihres Fundmaterials weitere Aussagen zu entlocken, die über den Status ihrer Besitzer Auskunft geben könnten.

Der Geländebefund

Die Burgstelle (Abb. 1) hatte im Norden einen Halsgraben, der vermutlich aus einem natürlichen Spalt ausgearbeitet worden war; ihm waren nördlich anscheinend Gartenflächen vorgelagert (relativ ebene Flächen mit abgerollter Keramik). Direkt über dem Felsspalt folgt ein sich nach Süden erstreckender länglicher Fels, der den höchsten Punkt der Burgstelle bildet (Oberburg). Die Längswände dieses Burgteils wurden 1926/27 durch Otto Kantorowicz14 freigelegt und sind als Steinreihe und – im südlichen Teil – in aufgemauerter Form als Außen- bzw. Innenschale zu sehen (Abb. 2). Ein massiver Mauerklotz im Norden war ursprünglich offenbar ein kleiner Turm. Auch der Südfelsen (Aussichtspunkt nach Günterstal) war wohl als Wohnturm mit Mauerwerk eingefasst (Abb. 3) und in die Höhe gebaut. Mitten auf der Fläche des Südfelsens zeichnet sich heute noch eine quer verlaufende Mauer ab (Abb. 4). Weitere besiedelbare Flächen ergaben sich in Richtung Osten und Süden; sie sind heute vor allem als Plattformen erkennbar und wären als Unter- oder Vorburg anzusprechen. Der Abschluss nach Süden deutet sich heute noch als Geländestufe und mit einigen Steinen im Wanderweg an. Zwei kurze Stollen im Fels sind wohl auf neuzeitliche Bergbauversuche zurückzuführen und nicht der Burg zuzurechnen. Die Gesamtlänge der Burgstelle beträgt ab der inneren Kante des Halsgrabens im NNO bis zur Außenkante der südlichen Ringmauer (im SSW) etwa 94 m, was eine stattliche Größe darstellt. Die Breite der Burgstelle variiert zwischen etwa 12 m im mittleren, eingezogenen Bereich und etwa 50 m im Süden. Die einzelnen Bauteile der Burg sind kaum genauer zu beschreiben und auch nicht in Art einer Bauabfolge zu bewerten und feiner zu datieren. Der Rest des kleinen Turmes im Norden macht den Eindruck, als sei er nachträglich – kurz vor Abgang der Burg oder im Zuge einer kurzzeitigen spätmittelalterlichen Nachnutzung – eingebaut worden. Die Burg wirkt auf den ersten Blick klein; wenn man jedoch alle einigermaßen ebenen Flächen berücksichtigt und sich darauf jeweils mehrgeschossige Bauten – ggf. auch mit überkragenden Fachwerkgeschossen – vorstellt, kam insgesamt eine erhebliche Wohnfläche zustande.
Abb. 1 Gesamtplan der Burg auf dem Kybfelsen nach Otto Kantorowicz (1929)
Abb. 2 Mauerschale an der Außenseite der Oberburg, an ihrem südwestlichen Rand (Foto: Heiko Wagner).
Abb. 3 Mauerrest im Pfad, am nordöstlichen Rand des Südfelsens (Foto: Heiko Wagner).
Abb. 4 Quer verlaufende Mauer auf der Fläche des Südfelsens (Foto: Heiko Wagner).
Abb. 5-7 Lippen- und Wulstränder von Töpfen der nachgedrehten Ware in unterschiedlichen Brennfarben, 11.-frühes 13. Jahrhundert (Foto: Heiko Wagner).

Die Funde der Oberflächenbegehungen

Die seit 1988 durch den Verfasser unternommenen Geländebegehungen erbrachten zahlreiches Fundmaterial, das erst teilweise erfasst und ausgewertet ist.15 Der Gesamtbestand beträgt deutlich über 200 Randstücke (meist Lippen- und Wulstränder) der nachgedrehten Ware (Abb. 5 bis 7). Die zugehörigen Wand- und Bodenscherben derselben Warenart – in verschiedenen Brennfarben von rötlichbraun über hellbraun und dunkelbraun bis schwärzlich – gehen inzwischen in die tausende (Abb. 8). Diese Menge an (nur an der Oberfläche aufgesammelter) Keramik ist für eine Burgstelle des Hochmittelalters im südwestlichen Teil Baden-Württembergs ungewöhnlich hoch.
Abb. 8 Wand- und Bodenscherben der nachgedrehten Ware (Foto: Heiko Wagner).
     Der Variantenreichtum zeigt wegen der Formveränderung der Topfränder eine längere Laufzeit der Burg an, die bis ins frühe 13. Jahrhundert reichte. Vereinzelt treten Einschnitte oder einfache Wellenlinien als Verzierung auf.16 Einzelne Leistenränder17 und Wandscherben mit Rollrädchenverzierung18 deuten noch eine geringe Nachnutzung im mittleren bis späten 13. Jahrhundert an, einzelne Funde könnten auch noch jünger sein.
     Einige Randscherben von Töpfen sind trichterförmig ausgebildet und belegen damit die Anfänge der Burg im 11. Jahrhundert. Das raue, sandig gemagerte Randstück (Abb. 9) entspricht etwa der Form TR 2 in der Region Schaffhausen.19 Sie ist dort eher selten belegt und wird mit einer Laufzeit zwischen 800 und etwa 1000 n. Chr. vermerkt. Wegen der geringen Belegdichte kann die Randform auch noch länger gelaufen sein.
Abb. 9 Trichterrand (ausgestellter Rand), 11. Jahrhundert (Foto: Heiko Wagner).
     An einem anderen dieser Trichterränder vom Kybfelsen wurden ausgewitterte Poren festgestellt; damit handelt es sich um einen Vertreter der sogenannten „Karbonatithaltigen Ware“, die vom 6. bis 11. Jahrhundert im Umfeld des Kaiserstuhls produziert wurde.20 Von der Erstbearbeiterin dieser Warenart wird ihre Laufzeit sogar nur bis ins 10. Jahrhundert angenommen. Von dieser Ware liegen am Kybfelsen auch einige Wandscherben vor, deren Magerung wegen des sauren Bodens ebenfalls völlig ausgewittert ist (Abb. 10). Auch einige rauwandige Keramikscherben, zu denen jedoch keine Ränder erhalten sind, gehören noch in die Frühzeit der Burg; sie werden allgemein ins „10./11. Jahrhundert“ datiert.
Abb. 10 Porige Wandscherbe (die Karbonatitmagerung ist ausgewittert), 11. Jahrhundert (Foto: Heiko Wagner).
     Die Entwicklung der Randformen der nachgedrehten Ware scheint im weiteren Verlauf von den trichterförmigen (ausgestellten) Rändern über gebogene, in weitem Schwung nach außen ausbiegende Ränder hin zu den außen engeren, eingerollten, verdickten Rändern gelaufen zu sein. Alle diese Varianten sind auf dem Kybfelsen vertreten.
     Die Keramik ordnet sich insgesamt in einen Kultur- und Wirtschaftsraum ein, der durch gleichartige Töpferware gut charakterisiert ist. Zu ihm gehören das südliche Elsass mit dem Sundgau, der südliche Oberrhein, der westliche Teil des Hochrheins und besonders die archäologisch gut erforschte Nordwestschweiz bis zum Jura. Zum Vergleich der Warenarten und besonders der Randformen kann auf Ergebnisse aus der wesentlich besser untersuchten Nordwestschweiz zurückgegriffen werden.
     An der Feindatierung der typischen, gut geglätteten oder polierten nachgedrehten Keramik entzünden sich Diskussionen um ihre Laufzeit, die hier nicht entschieden werden kann. Sie dürfte ebenfalls schon im 11. Jahrhundert einsetzen, da sie in großem Variantenreichtum auf der Altenburg bei Füllinsdorf (Kanton Baselland) auftritt.21 Selbst wenn die Altenburg erst ein halbes Jahrhundert später (um 1150 statt um 1100) abgegangen sein sollte – wie es der Verfasser für möglich hält – beginnt diese Warenart sicher im 11. Jahrhundert.
     Fazit: Wie einige frühe Elemente im Spektrum der Gefäßkeramik (einige trichterförmige Ränder, rauwandige Scherben, letzte Vertreter der oben genannten „Karbonatithaltigen Ware“) andeuten, sind der Gründungszeitpunkt der Burg auf dem Kybfelsen und ihr erster Besitzer bereits um die Mitte oder in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zu suchen. Wegen der geringen Vergleichsmöglichkeiten durch stratifizierte Befunde dieser Zeit lässt sich der Gründungszeitpunkt der Burg derzeit nicht genauer präzisieren. Die Datierung der Burg reicht dann mit den fortgeschritteneren, eingerollten Lippen- und Wulsträndern bis ins frühe 13. Jahrhundert.
     Das weitere Fundspektrum ist hinsichtlich der Zeitstellung oftmals weniger aussagekräftig, sei hier aber dennoch aufgeführt. Ein Rand einer verzierten runden Keramikscheibe stammt von einem Topfdeckel oder aber vom Standfuß eines Kerzenleuchters oder Lampenständers und könnte ins 13. Jahrhundert gehören.22 Es stammt offenbar von der Endphase der Burg. Aus Keramikscherben wurden sekundär (nach ihrem Zerbrechen) einige flache, runde Spielsteine23 zurechtgeschliffen, andere bestanden aus Buntsandstein (Abb. 11). An Ofenkeramik liegen von frühen Becher- oder Topfkacheln mindestens vier Randscherben (Abb. 12) und mindestens 15 Wand- und Bodenscherben vor. Vergleichbare Becherkacheln kennt man aus der „Harmonie“-Grabung in der Altstadt von Freiburg, in der der Horizont des späten 11./frühen 12. Jahrhunderts erfasst wurde.24 Neben der Keramik stammen vom Kybfelsen zahlreiche zerschlagene Tierknochen sowie Tierzähne, die sich durch den Kalkgehalt des Mauerschuttes und holzkohlereichen Boden in bestimmten Bereichen erhalten konnten. Ein schlecht erhaltener Knochenspan ist durch kleine Bohrungen mit Kreisaugen verziert; er könnte zu einem Kamm, zu einem Messergriff oder eher als Beschlag zu einem Holzkästchen gehört haben.25 Ergänzt wird das Fundmaterial durch einige Fragmente Buntmetall (u.a. ein vergoldetes Beschlagfragment), einige Pfeileisen und Bolzenspitzen26, Fragmente von Hufeisen sowie Schindel- und Hufnägel. Hervorzuheben ist ein eiserner Schlüssel mit rautenförmigem Griff, der – u.a. wegen der Abbildung solcher Schlüssel auf gotischen Kranzkacheln des 14./15. Jahrhunderts, so etwa auf Burg Wieladingen27 – bisher als „gotisch“ (d.h. frühestens 13. Jahrhundert) angesprochen wurde. Diese Datierung ist inzwischen stark zu relativieren; der Typus ist offenbar sehr langlebig und überspringt dabei ohne Formveränderung die Periodengrenze zwischen Hoch- und Spätmittelalter.
Abb. 11 Flacher Spielstein, aus Buntsandstein geschliffen (Foto: Heiko Wagner).
Abb. 12 Randscherbe einer frühen Becherkachel,
Kürzlich wurde auch von der vorgenannten Burgstelle Altenberg bei Füllinsdorf ein Exemplar veröffentlicht.28 Inzwischen wurden aus privaten Aufsammlungen vom Kybfelsen und seiner Umgebung zahlreiche weitere, auch qualitätvolle Metallfunde bekannt, die den reichhaltigen Eindruck des Fundspektrums unterstreichen und verstärken.29 Zahlreiche, meist leichte Schlacken zeigen auf dem Kybfelsen die Existenz einer Burgschmiede an.
    Bemerkenswert sind die ebenfalls bei diesen Begehungen aufgetretenen vorgeschichtlichen Funde. Neben einem Silexkratzer30 ist besonders der Bestand an älterer, vorgeschichtlicher Keramik bemerkenswert. Sie ist von gröberer Struktur, handgemacht und bei niedrigen Temperaturen gebrannt, wodurch sich ihre insgesamt schlechte Erhaltung erklärt. Einige Stücke sind mit schwarzen Kristallen aus Augit (silikathaltiges Mineral) aus dem Kaiserstuhl (mindestens 17 km entfernt) gemagert. Die Keramik dürfte im Wesentlichen bronze- oder urnenfelderzeitlich sein. Darauf deuten auch zwei bronzene Dornpfeilspitzen31 hin, die von der Hügelgräberbronzezeit (um ca. 1500 v. Chr.) bis in die Urnenfelderzeit (ca. 1250 bis 800 v. Chr.) gebräuchlich waren. Eine feintonige Bodenscherbe mit flachem Standring32 wurde von Rolf Dehn vor 30 Jahren als frühlatènezeitlich bestimmt (ca. 400 v. Chr.). Ob es sich bei diesen Funden um die Hinterlassenschaften einer (befestigten?) Höhensiedlung oder – wie auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb inzwischen mehrfach nachgewiesen – um einen Opferplatz handelt, kann derzeit nicht geklärt werden. Jedenfalls ist denkbar, dass bei der Gründung der Burg noch Geländespuren der älteren Nutzung erkennbar waren, die dann aber beseitigt werden mussten. Es kann sich im Falle des Kybfelsens jedoch nur um planierte Flächen, gegebenenfalls Erdwälle und Fundstücke gehandelt haben. In der Erforschung mittelalterlicher Burgen wird erwogen, dass derartige Relikte das Prestige des Burgplatzes und der Besitzerfamilie erhöhten, indem ihre Macht gleichsam an ältere Zeiten angebunden bzw. mit dem Besitz eines solchen Platzes legitimiert wurde.33

Das Keramikspektrum als historische Quelle

Da inzwischen die meisten Burgen des Regierungsbezirks Freiburg (meist mehrfach) durch den Verfasser begangen wurden, lassen sich durch den dadurch ermöglichten Vergleich einige Aussagen zum Kybfelsen treffen.
     Demnach repräsentiert das riesige Fundmaterial des Kybfelsens den bedeutendsten Lesefundkomplex des Hochmittelalters von einer Burg im Breisgau und überhaupt im Regierungsbezirk Freiburg (archäologische Grabungen an Burgen dieser Zeitstufe wurden ohnehin kaum durchgeführt). Sie wird gefolgt von der Fundmenge von Rötteln34 und neuerdings von der Rotenburg (bei Wieslet im Kleinen Wiesental, prospektiert durch Joachim Kraus).35 Ihnen folgen – hinsichtlich der Fundmenge – neuerdings der Scharfenstein im hinteren Münstertal (Begehungen Joachim Haller) und die Burg (Alt-)Wolfach im Kinzigtal.36 Alle anderen Burgen (auch die fundreichsten wie etwa Köndringen, Kenzingen, Badenweiler und der „Stockberg“) folgen erst mit weitem Abstand.
     Das reichhaltige Fundmaterial vom Kybfelsen (besonders der Keramik und der Tierknochen) deutet auf zahlreiche Personen und offenbar auf einen gut ausgestatteten Haushalt in dieser Burg hin, zu dem auch frühe Kachelöfen gehörten.
     Es handelt sich offenbar um die früheste Burg auf dem Stadtgebiet von Freiburg. Der Standort der Burg (um 820 m ü.NN) liegt siedlungsfern und darüber hinaus sehr hoch (etwa 400 bis 500 Höhenmeter über den Tälern). Dieser repräsentative Standort erinnert an die Burgen des Hochadels und der alten edelfreien Familien, z.B. an Schwarzenberg oberhalb von Waldkirch oder den „Stockberg“ (1.074 m ü.NN) zwischen Badenweiler und Malsburg-Marzell.37 Die Burgen dieser Frühzeit liegen meist noch in großen Abständen untereinander. Sie besetzen wichtige Landmarken und wirken raumbeherrschend, indem sie schon von weitem sichtbar sind. Beim Kybfelsen ergibt sich heute vom Nordfelsen die Aussicht ins Dreisamtal (marca Zardunensis) und vom Südfelsen ins Tal des Bohrerbaches (wo später das Kloster Günterstal entstand). Wenn man die im Hochmittelalter üblichen mehrstöckigen Wohntürme ansetzt, waren wohl aus jedem Gebäude beide Täler sichtbar. Auffällig ist, dass der Ausgang des Dreisamtals (wo später die Stadt Freiburg gegründet wird) vom Kybfelsen aus wohl nicht direkt einsehbar war, da er durch Brombergkopf, Bleichentobelkopf und Rehhagkopf verdeckt wird. Vom Kybfelsen aus sichtbar – aufgrund des Höhenprofils abgeschätzt – war im 12. Jahrhundert/um 1200 wohl die Burg auf dem Freiburger Schlossberg mit ihrem Donjon über dem Halsgraben.
     Burgen in einer solchen Lage wie der Kybfelsen waren nur mit großem Aufwand zu errichten und zu betreiben. Man gewinnt den Eindruck, dass der dabei betriebene Aufwand Teil der Repräsentation selbst bildete. Durch den gewählten Wohnort erhob man sich im wahrsten Sinne des Wortes „über“ die Bevölkerung. Der Standort am Kybfelsen war außerdem schon zu früheren Zeiten genutzt worden und könnte durch die noch sichtbaren oder aufzufindenden Relikte an Prestige im Sinne der Verankerung einer Tradition gewonnen haben. Die hochmittelalterlichen Relikte auf dem Kybfelsen (Mauerspuren, Kalkmörtel) zeigen eine frühe Steinburg an, was ebenfalls für einen in jeder Hinsicht hochrangigen Bauherrn spricht.
     Aus archäologischem Blickwinkel ist es jedoch unmöglich, die Burg auf dem Kybfelsen einer Ministerialenfamilie zuzuweisen. Allein schon durch die Frühdatierung der Anfänge (11. Jahrhundert) wird deutlich, dass es sich beim Kybfelsen um den Sitz einer bedeutenden, hochrangigen Familie handeln muss.

Der Kybfelsen – eine zähringische Burg

Aus der merkwürdigen historischen Quellenlage, dem Geländebefund und dem Fundspektrum soll nun versucht werden, eine Summe zu ziehen und eine neue Synthese zu finden.
     Für das späte 11. und besonders für das 12. Jahrhundert gilt zunächst, dass es eigentlich unmöglich ist, dass eine weitere repräsentative Burg in unmittelbarer Nähe zu Freiburg (in der Luftlinie etwa 4,5 km in nordwestlicher Richtung vom Kybfelsen entfernt) existierte, die den Zähringern nicht freundlich gesonnen wäre – oder ihnen gehörte. Die nächstgelegenen Adelsgeschlechter, die zeitweise wohl eine Art „wohlwollender Neutralität“ wahrten, waren die Schwarzenberger im Elztal und die Herren von Staufen am Ausgang des Münstertales. Die Grafen von Nimburg mit ihrer Burg am nördlichen Ende des Nimbergs, einer lössbedeckten Kalksteinscholle in der Freiburger Bucht, sind mindestens zeitweise sogar dem Gefolge der Zähringer zuzurechnen.
     Dass Freiburg als wichtiger Handelsort, frühe Stadtgründung der Zähringer im Kreuzungspunkt der Nord-Süd- und Ost-West-Wege und womöglich als frühe Residenz anzusprechen ist, unterstreicht für das 12. Jahrhundert die Notwendigkeit, ihre „südliche Flanke“ feindfrei zu halten. In einem Ministerialenverhältnis wiederum kann man sich die Bewohner des Kybfelsens jedoch nicht vorstellen.
     Die Besitzer der Burg können im späten 11. und 12. Jahrhundert nur die Herzöge von Zähringen selbst gewesen sein. Auf die drängende Frage nach den Gründern der Burg gibt die Keramik einige entscheidende Hinweise. Aufgrund der Frühdatierung einiger Elemente des Fundmaterials in die Mitte oder zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts dürfte es sich bei den Erbauern der Burg bereits um die direkten Vorfahren der Zähringer, die Bertolde, gehandelt haben.

Ein neues Erklärungsmodell

Das hier im Folgenden vorgeschlagene Modell ist – mangels Schriftquellen – auf weite Strecken hypothetisch, könnte aber viele der genannten Ungereimtheiten erklären. Es sei hier ausdrücklich als Diskussionsgrundlage in die Runde geworfen, damit durch Historiker das Für und Wider erörtert, mit Quellen untermauert, Bezüge hergestellt oder mit Argumenten es schließlich vielleicht auch verworfen werden kann. So könnte – 90 Jahre nach der Veröffentlichung der Grabungen von Otto Kantorowicz im „Schau-ins-Land“ und 30 Jahre nach dem Erscheinen des ersten neueren Aufsatzes – die Deutung des unterschätzten Kybfelsens auf eine neue Ebene gehoben werden.
     Der Kybfelsen wurde als Burg um die Mitte oder in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründet, als die Bertolde das Grafenamt im Breisgau bekleideten38 (und noch nicht „Zähringer“ hießen ...). Der Kybfelsen wäre damit die erste Burg der Bertolde im Breisgau. Es dürfte sich bei ihr eher um Eigengut als um eine Amtsburg handeln. Neben der siedlungsfernen Lage sprechen die flankierenden Täler von Günterstal und Kappel (mit seiner früh aus der marca Zardunensis herausgelösten Kirche) für diese Annahme, wo sich Möglichkeiten für eine weitere Erschließung geboten haben dürften. Den besten Zugriff auf dieses Königsgut (die marca Zardunensis) und damit die Möglichkeit, eine solche Herauslösung vorzunehmen, hatte wohl der jeweils amtierende Graf. Seit der spätottonischen Zeit, ab etwa 1004, hatten die Bertolde dieses Amt inne.39
     Hier könnte also von den Bertolden – parallel zu den üblichen Amtsgeschäften – ein Landesausbau mit Rodungen, der Urbarmachung von Land und der Gründung von Bauernhöfen betrieben worden sein. Im Kleintal von Kappel liegt immerhin eine Fundstelle mit nachgedrehter Keramik vor.40 Mit der Kirche von Kappel eng verknüpft war immer der benachbarte Peterhof, von dem jedoch keine archäologischen Aufschlüsse vorliegen.
     Nachdem im Rahmen des Investiturstreits den Bertolden 1077 das Grafenamt im Breisgau verloren gegangen war, hatte sich ihr Schwerpunkt wohl kurzzeitig auf ihre Besitzungen östlich des Schwarzwalds und bei Weilheim unter Teck verlagert. Als Bertold II. 1079 von Osten her den Schwarzwald überschritt, die Burg Wiesneck zerstörte und sich erneut und viel nachhaltiger im Breisgau etablierte, spielte der Kybfelsen dafür eine essentielle und entscheidende Rolle. Das Eigengut kann bei einem Amtsverlust im Rahmen des Investiturstreits gehalten worden sein; ein vergleichbarer Fall ist aus dem südlichen Teil des Landkreises Karlsruhe bekannt.41
     Auf dem Kybfelsen besaß Bertold II. eine sicher und repräsentativ gelegene Burg, die darüber hinaus wohl sein Eigentum war. Die „Rückkehr“ in den Breisgau erfolgte nicht ohne Rückhalt, sondern mit der Gewissheit, hier bereits über einen festen Stützpunkt zu verfügen. Ab wann Bertold dann den Zugriff auf die Burg Zähringen (um 1100 die erste Zubenennung dux de zaringen) hatte, unterliegt seit langem der landesgeschichtlichen Diskussion und sei hier einmal dahingestellt (die direkte Erstnennung der Burg Zähringen datiert aus dem Jahr 1128).
     In den ersten Jahren ab 1079 konnte Bertold II. jedenfalls zeitweise in seiner Burg auf dem Kybfelsen leben und von dort aus seine Position im Breisgau ausbauen und absichern. Wenige Jahre oder Jahrzehnte später wurde wohl eine Zeitlang die auf einem noch prestigeträchtigeren Platz stehende Burg Zähringen wichtig, besonders für den raumgreifenden Titel, vielleicht aber auch als zeitweiliger Wohn- oder Amtssitz. Der Kybfelsen – wie auch immer die Burg dort geheißen haben mag – hatte sich vielleicht nicht zur Benennung eines Herzogtums geeignet (u.a. vielleicht wegen einer Namensähnlichkeit zu der Burg und der nach ihr benannten Familie in der Schweiz), und an Zähringen hingen andererseits bereits die wichtigeren Rechte (offenbar Reichsgut) sowie das hohe Ansehen der alten, in verschiedenen Perioden genutzten Höhensiedlung.
     Im Fortgang der Ereignisse ging offenbar auch die Bedeutung der Burg Zähringen zurück; der neue Schwerpunkt verlagerte sich wohl im späten 11. Jahrhundert – spätestens aber nach der Marktgründung von 1120 – nach Freiburg. Die Stadt Freiburg wuchs an Bedeutung, und der letzte Zähringer Bertold V. nutzte offenbar die Burg auf dem Schlossberg als Residenz.42 Der Kybfelsen scheint dennoch parallel im 12. Jahrhundert weiter stark genutzt worden zu sein.
     Durch Erbschaft und Gebietserwerbungen fielen den Zähringern weitere Zentralorte und Burgen am Hochrhein und in der Schweiz zu. Sie dienten ebenfalls als Residenzorte und noch um 1200 wurde in Breisach eine Burg mit mächtigem Donjon durch Bertold V. neu errichtet. Durch diese Dynamik mit ihren ständigen Gebietserweiterungen, der gesteigerten Bedeutung der Gebiete in der heutigen Schweiz, der Verschiebung von Herrschaftszentren und den damit verbundenen Reisen war der Kybfelsen mit der Zeit nur eine von mehreren Zähringerburgen.
     Einschneidend ist jedoch die weitgehende Auflassung der Burg auf dem Kybfelsen am Ende der Zähringerzeit. Es gab wohl nur noch punktuelle Nachnutzungen, die nur wenige Keramikfunde hinterließen; dabei muss es sich aber nicht mehr um eine Nutzung als Burg gehandelt haben. Der Kybfelsen wurde nach 1218 durch die Grafen von Urach/Freiburg nicht weiter als Burg genutzt. Vielleicht wurde er auch gezielt ihrem Zugriff entzogen, indem die zugehörigen Besitzungen halbiert und der westliche Teil an das neu gegründete Kloster Günterstal gegeben wurde. In der Erinnerung ging die Burg jedenfalls weitgehend verloren. Dadurch wurde der Kybfelsen schon früh zum Gegenstand der gelehrten, besonders der genealogisch geprägten Spekulation. Man wollte ihn für andere Adelsgeschlechter (die Kyburger, im Rahmen der Inbesitznahme des Breisgaus durch die Habsburger ...) vereinnahmen und gar einen Antagonismus zur Burg auf dem Freiburger Schlossberg sehen.43
     Durch die Ergebnisse der archäologischen Forschung wäre nun – nach Meinung des Verfassers – der Zeitpunkt gekommen, der vergessenen Burg auf dem Kybfelsen ihren Standort in der Geschichte der Zähringer wieder zurückzugeben.
  1. Für Anregungen, Diskussionen und Begutachtung von Fundmaterial danke ich Bertram Jenisch und Andreas Haasis-Berner, letzterem auch für die genaue Durchsicht des Manuskripts (beide Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Archäologische Denkmalpflege, Dienstsitz Freiburg).
  2. Dieter Mertens: Die Habsburger als Nachfahren und als Vorfahren der Zähringer, in: Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung (Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung I), Sigmaringen 1986, S. 151-174, bes. S. 158 und 163; Ders.: Mathias von Neuenburg, Chronica. Lateinische Chronik zu den Jahren 1245-1350 (1355), in: Die Zähringer. Anstoß und Wirkung (Veröffentlichungen zur Zähringer- Ausstellung II), Sigmaringen 1986, S. 307; Karl Schm id: Zähringergeschichte und Zähringertradition als Thema der Zähringerforschung, in: Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung (s.o.), S.211-228, bes. S. 220f. und 227 mit Anm. 68-70. Darauf bezieht sich auch Alfons Zettler: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau – Ein Forschungsprojekt der Abteilung Landesgeschichte am Historischen Seminar, in: Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland. (Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland 1), Sigmaringen 1990, S. 219-256, bes. S. 238f. – Weitere Bemühungen dieser Art fallen in die Zeit Kaiser Maximilians um 1500. Auch die im 16. Jahrhundert aufgekommene Geschichte, König Rudolf von Habsburg sei auf der Limburg bei Sasbach geboren, lässt eine solche Zielrichtung erkennen (vgl. Thomas Zotz: Sasbach, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Bd. 1: Nördlicher Teil, Halbband L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2006, S. 377-390, bes. S. 386), wobei die Limburg tatsächlich um 1221 im habsburgischen Besitz erscheint.
  3. Ernst Dreher: Günterstal – Seine Geschichte von den Anfängen bis zur Klosterauflösung im Jahre 1806. Die Gemeinde Günterstal zwischen 1806 und 1830, Lahr 22004, bes. S. 204 mit Anm. 5f.; Ders.: Kirche, Kloster und Kapellen in Günterstal, in: Schau-ins-Land 106 (1987), S. 31-68 (S. 65, Anm. 22 zum Manuskript des 18. Jahrhunderts); Regesta episcoporum Constantiensium. Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz, von Bubulcus bis Thomas Berlower (517-1496), Bd. 1: 517-1293, bearb. von Paul Ladewig, hg. von der Badischen Historischen Kommission, Innsbruck 1895, Nr. 1363. – Besonders zur Sage: Joseph Bader: Die Schicksale des ehemaligen Frauenstiftes Günterstal bei Freiburg i. Br., in: Freiburger Diözesanarchiv 5 (1870), S. 119-206, bes. S. 132 und 135f.
  4. Otto Kantorowicz: Die Kyburg bei Freiburg i. Br., in: Schau-ins-Land 54/55 (1929), S. 26-33, hier S. 31 oben; Bader (wie Anm. 3), S. 125 (Günterstaler Urbar von 1344); Adolf Poinsignon: Ödungen und Wüstungen im Breisgau, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGO) 41 NF 2 (1887), S. 322-365, hier S. 361f.
  5. Kantorowicz (wie Anm. 4), S. 31; Karl Hartfelder: Breisgauer Weisthümer, in: ZGO 36 (1883), S. 241- 285, hier S. 279 (44. Item der Stoltzer und Hansen Koler und der Hase, die sullent varen die burgßgassen uff und ab an den berg gen Kyburg und ...). Kyburg ist mit „u“ und darüber gesetztem „i“ geschrieben. – Poinsignon (wie Anm. 4).
  6. Kantorowicz (wie Anm. 4), S. 33.
  7. Bernhard Mangei: Herrschaftsbildung von Königtum, Kirche und Adel zwischen Oberrhein und Schwarzwald. Untersuchungen zur Geschichte des Zartener Beckens von der merowingischen bis zur salischen Zeit, Diss., Freiburg 2003 (elektronisch publiziert unter freidok), S. 108f. – Zum Zentralort Zarten vgl. Heiko Wagner: Das „Zartener Münster“. Die Baugeschichte der Johanneskapelle in Zarten, in: Schau-ins-Land 137 (2018), S. 9-23.
  8. Besonders die Herren von Horwe werden seit dem 19. Jahrhundert verdächtigt, so etwa von Bader (wie Anm. 3), S. 136; Alois Mezger: Der Kibfelsen und das Kibbad, in: Schau-ins-Land 3 (1876), S. 73-76 und 80-82, hier S. 76; Kantorowicz (wie Anm. 4), S. 31; Johann Adam Kraus: Fragen um den Kybfelsen und seine ehem. Burg. Schau-ins-Land 84/85 (1966/67), S. 289-294, hier S. 291. Kraus wurde offenbar durch eine „Expedition“ des Breisgau-Geschichtsvereins auf den Kybfelsen am 2. Juli 1966 angeregt, zu dem auch zwei Zeitungsartikel erschienen: Sigrid Knecht: Friedlicher Sturm auf die Kyburg, in: Badische Zeitung vom 11. Juli 1966, sowie N.N.: Viele Steine machen eine Burg – Der Breisgauverein sucht nach den Ruinen der Kyburg, in einer weiteren, auf einem alten Ausschnitt nicht bezeichneten Zeitung vom 25./26. Juni 1966. Die Exkursionsleitung hatten Architekt Werner Korn, der kürzlich verstorbene ehemalige Schatzmeister Rolf Süß und Dr. Martin Wellmer (damals Staatsarchiv).
  9. In den älteren Veröffentlichungen von Wagner (wie Anm. 7).
  10. Vgl. etwa Hans Harter: Adel und Burgen im oberen Kinziggebiet. Studien zur Besiedlung und hochmittelalterlichen Herrschaftsbildung im mittleren Schwarzwald, Freiburg/München 1992, S. 85 mit Anm. 245: ein Kuno von Horb als Urkundenzeuge für die Wolfacher, zusammen mit anderen Adligen des oberen Neckar und des östlichen Schwarzwaldrandes. – Schon Berent Schwineköper: Das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Herzöge von Zähringen. Ein Beitrag zur Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters, in: Forschen und Bewahren. Das Elztäler Heimatmuseum in Waldkirch. Kultur- und landesgeschichtliche Beiträge zum Elztal und zum Breisgau, hg. von Heinrich Lehm ann und Willi Thoma, Waldkirch 1983 (sowie Nachdruck 1984), verweist auf Horb am Neckar und auf die Besitzungen der Familie bis in die Schwäbische Alb.
  11. Gerlinde Person-Weber: Wolfenweiler, in: Zettler/Zotz (wie Anm. 2), S. 521-523.
  12. Anregung des Burgenforschers Helmut Söllner.
  13. Boris Bigott/Gerlinde Person-Weber: Oberried, in: Zettler/Zotz (wie Anm. 2), S. 321-326, bes. S. 322.
  14. Kantorowicz (wie Anm. 4).
  15. Heiko Wagner: Neue Funde vom „Kybfelsen“ bei Freiburg i. Br., in: Archäologische Nachrichten aus Baden 42 (1989), S. 21-26; Ders.: Eine Burg auf dem Kybfelsen, in: Kappel im Tal – Dorfgemeinde und Stadtteil, hg. von der Stadt Freiburg i. Br., Redaktion: Wolfgang Hug und Ulrike Rödling, Freiburg 1993, S. 23-33; Ders.: Günterstal/Kappel, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Bd. I: Nördlicher Teil, Halbband A-K, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2003, S. 179-185. – Das zahlreiche Fundmaterial wurde nach der Auffindung und dem Waschen kurz durchgesehen und wird derzeit inventarisiert (Grabungs-Nr.: 1999-417). Eine größere Veröffentlichung wird in den nächsten Jahren in den Fundberichten aus Baden-Württemberg erfolgen.
  16. Wagner: Neue Funde (wie Anm. 15), S. 23, Abb. 2 (Nr. 14-15).
  17. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 8).
  18. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 13).
  19. Valentin Homb erger/Kurt Zubler: Mittelalterliche und neuzeitliche Keramik der Region Schaffhausen. Typologie, Seriation und Materialvorlage (Beiträge zur Schaffhauser Archäologie 3), Schaffhausen 2010, S. 29 (Form TR 2) und S. 40 (Laufzeittabelle). Ich danke Andreas Haasis-Berner für den Hinweis.
  20. Madeleine Châtelet: Eine bisher wenig beachtete Warengruppe: Die kalkgemagerte Keramik des Breisgaus, in: Regio Archaeologica – Archäologie und Geschichte an Ober- und Hochrhein, Festschrift für Gerhard Fingerlin, hg. von Christel Bücker, Michael Hoeper, Niklot Krohn und Jürgen Trumm, Rahden/Westfalen 2002, S. 269-276; Dies.: La céramique du haut Moyen Âge (6e-10e siècle) du sud de la vallée du Rhin supérieur (Alsace et Bade). Technologie, typologie, chronologie, économie et culture, Montagnac 2002. Bei Karbonatit han
  21. Reto Marti: Keramikgefäße, in: Reto Marti/Werner Meyer/Jakob Obrecht: Der Altenberg bei Füllinsdorf – Eine Adelsburg des 11. Jahrhunderts (Schriften der Archäologie Baselland 50), Basel 2013, S. 190- 258. – Die Rückschlüsse zur Keramikdatierung beruhen u.a. auf den Untersuchungen auf der Frohburg, vgl. Werner Meyer: Die Frohburg – Ausgrabungen 1973-1977 (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 16), Zürich 1989, bes. S. 141f. (Fundreihe A).
  22. Wagner: Neue Funde (wie Anm. 15), S. 23, Abb. 2 (Nr. 10).
  23. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 9).
  24. Stefan Kaltwasser: Die hochmittelalterliche Keramik der Grabung auf dem „Harmonie“-Gelände in Freiburg, in: Das „Harmonie“-Gelände in Freiburg im Breisgau, hg. von Matthias Untermann (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 19), Stuttgart 1995, S. 247-312 (S. 258-262; Taf. 1-8; Taf. 12; Taf. 13, Nr. 482-484 und 490-504 zu Töpfen der nachgedrehten Ware; Taf. 3, Nr. 126; Taf. 5, Nr. 240-242; Taf. 13, Nr. 489 zu frühen Becherkacheln). – Ähnliche Kacheln liegen aus der Schweiz vor, wo sie teils als Topfkacheln, teils als frühe Becherkacheln bezeichnet werden, vgl. Jürg Tauber: Herd und Ofen im Mittelalter – Untersuchungen zur Kulturgeschichte am archäologischen Material vornehmlich der Nordwestschweiz (9.-14. Jahrhundert) (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 7), Olten/Freiburg i. Br. 1980, etwa S. 296, Typentafel 2 (Varianten b und c).
  25. Wagner: Neue Funde (wie Anm. 15), S. 23, Abb. 2 (Nr. 4). – Die Bohrungen finden sich auf beiden Seiten, was auch auf eine Wiederverwendung oder ein verworfenes Werkstück hindeuten könnte.
  26. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 11-12).
  27. Aenne Schwoerbel: Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald (Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 47), Stuttgart 1998, S. 82-85 mit Abb. 95 (Nr. B 154-B 155) und Abb. 97a (Kranzkacheln mit drei Schlüsseln). – Tauber (wie Anm. 24), S. 63, Abb. 37 (Nr. 49, Kranzkachel mit drei Schlüsseln von Bubendorf, Burg Gutenfels, Kt. Basel-Land).
  28. Reto Marti: Teile der Innenausstattung, in: Marti/Meyer/Obrecht (wie Anm. 21), S. 259-271, hier S.262, Abb. 311 (Nr. 437).
  29. Freundliche Hinweise von Bertram Jenisch und Andreas Haasis-Berner. Eine Auswahl der Funde wird zusammen mit Keramik in der geplanten Ausstellung „freiburg.archäologie“ zum Stadtjubiläum von Freiburg (ab dem 22. November 2019) vorgestellt werden.
  30. Wagner: Neue Funde (wie Anm. 15), S. 23, Abb. 2 (Nr. 1).
  31. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 2).
  32. Ebd., S. 23, Abb. 2 (Nr. 3).
  33. Vgl. etwa Lucas Clemens: „Novum castrum quod mons Mercurii dicitur.“ Burgen auf oder in antiken Baustrukturen, in: Burgen im Breisgau – Aspekte von Burg und Herrschaft im überregionalen Vergleich, hg. von Erik Beck u.a., Ostfildern 2012, S. 19-39; Erik Beck: Burgen auf oder in antiker Vorgängerbesiedlung – Das Beispiel des Oberrheingebiets, in: ebd., S. 41-70. – Ein wichtiges Beispiel ist der Zähringer Burgberg mit Höhensiedlungen des Jungneolithikums, der Hallstattzeit, der frühen Alamannen und der späten Merowinger- oder frühen Karolingerzeit.
  34. Heiko Wagner: Burg Rötteln bei Lörrach – Baubegleitung und erster Survey an einer der größten Burgruinen des Landes, in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2011 (2012), S. 288-293; Ders.: Lörrach-Haagen, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 35 (2015), S. 915-919; Ders.: Frühe Burgen in Südbaden – Prospektionsergebnisse als Bausteine für die Landesgeschichte, in: Neues zur Burgenerfassung und Burgenforschung in Baden-Württemberg – Beiträge der Tagung in Esslingen am Neckar vom 10. bis 12. November 2016. Burgenforschung – Europäisches Correspondenzblatt für interdisziplinäre Castellologie 4 (2018), S. 333-365 (Burg Rötteln, S. 347-349). – Die künftige Publikation einer Tagung „Burg Rötteln – Herrschaft zwischen Basel und Frankreich“ in Lörrach am 25. und 26. April 2019 ist durch Schlösser und Gärten Baden-Württemberg geplant (darin Beitrag von Heiko Wagner: Burg Rötteln – Archäologische Baubegleitung und Survey).
  35. Andreas Haasis-Berner/Bertram Jenisch: Frühe Burgen in Südbaden, in: Neues zur Burgenerfassung (wie Anm. 34), S. 111-135 (bes. S. 111-113).
  36. Heiko Wagner: Die Burgruine Wolfach – Neues zu ihren Anfängen, in: Die Ortenau 99 (2019) (im Druck).
  37. Haasis-Berner/Jenisch (wie Anm. 35), S. 114-117. – Heiko Wagner: Badenweiler 2, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 35 (2015), S. 847.
  38. Vgl. Thomas Zotz: Gespiegelter Rang in der Herrschaft von der Höhe? Die Burgen Zähringen und Nimburg im nördlichen Breisgau um 1100, in: Historia archaeologica, Festschrift für Heiko Steuer zum 70. Geburtstag, hg. von Sebastian Brather, Dieter Geuenich und Christoph Huth (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 70), Berlin/New York 2009, S. 547-572 (bes. S. 563-565).
  39. Thomas Zotz: Die Zähringer – Dynastie und Herrschaft, Stuttgart 2018, S. 35-39.
  40. Begehung Heiko Wagner, unveröffentlicht.
  41. Reginbodo, Graf des Ufgaus mit Sitz in Forchheim, verlor als päpstlicher Parteigänger 1086 sein Amt, zog sich auf sein Eigengut (Burg bei Malsch-Waldprechtsweier) zurück und nannte sich in der Folgezeit „Graf von Malsch“. Offenbar wurde sein gleichnamiger Sohn später, zwischen 1102 und 1110, wieder Graf im Ufgau. Vgl. Heiko Wagner: Eine salierzeitliche Grafenburg im Ufgau – die Burgstelle „Waldenfels“ bei Waldprechtsweier, Gde. Malsch, Kreis Karlsruhe, in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2008 (2009), S. 276-279 (mit weiterer Literatur).
  42. Trotz zahlreicher Geländebegehungen durch den Verfasser und andere liegen vom Freiburger Schlossberg nur eine Randscherbe sowie wenige, kleinstückige Wandscherben der nachgedrehten Ware vor. Deutlicher ist eine kleinere Menge an grautoniger Drehscheibenware des 13./14. Jahrhunderts. Die Ursache für diese geringe Fundmenge liegt wohl an der Überbauung durch die Barockfestung und deren Sprengung 1745 sowie spätere umfangreiche Wegebaumaßnahmen.
  43. Bruno Boesch: Kyburg – Rätsel eines Burgennamens, Festschrift Paul Zinsli, Bern 1971, S. 161-169 (hier S. 166f.). Wiederabdruck in: Bruno Boesch: Kleine Schriften zur Namenforschung 1945-1981, Heidelberg 1981, S. 343-351, hier S. 348f., weist auf ein altalemannisches Wort „cheid“ für „Spalt, Spross, Keim“ hin; ein solches könnte man im Lichte der neuen Deutung statt als „Felsspalt“ vielleicht auch im Sinne von „Stamm, Herkunft, Ursprung“ deuten (?). Falls es sich jedoch um einen älteren Bergnamen handelt, würde diese Erklärungsmöglichkeit entfallen. Es ist auch mit verschiedenen Zeitschichten in der Aussprache und Bedeutungszuweisung des Berg-/Burg- und Felsnamens zu rechnen.
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